Wer im letzten Jahr auch nur einmal in die Zeitung geschaut hat, dürfte bemerkt haben, über welchen Prominenten sich die Redakteure schmieriger Klatschblätter am liebsten das Maul zerreißen. Britney Spears dominiert die Schlagzeilen wie kein anderer Mensch; sie steht - wie auch schon in ihrer Comeback-Single "Gimme More" angedeutet - im Zentrum jeglicher Aufmerksamkeit. Es gab keinen Skandal, der ausgelassen wurde, doch parallel zum, in unmenschliche Regionen ansteigendem Interesse an ihrer Person, für das sie sicherlich auch ein Teil an eigenem Verschulden beiträgt, wurde auch das Bild, welches sie in der Öffentlichkeit darstellt, maßlos und bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Ein massiver Großteil der Berichte über den am größten ausgebeuteten Star unserer Zeit, waren schlichtweg schmutzige und unverschämte Lügen um aus dem immensem Kapital, das sich aus ihrer Person schlagen lässt, weiter schöpfen zu können. Von den normalen Nachteilen, die ein prominentes Dasein mit sich zieht, kann schon lange nicht mehr gesprochen werden, denn die Grenzen hierfür sind längst überschritten. Dies scheint nun auch Britney selbt erkannt zu haben und so holt sie in ihrer brandneuen Single "Piece Of Me" zum Rundumschlag gegen die Gemeinheiten der Presse aus. Allein dieser inhaltliche Aspekt kann als großer Schritt nach vorn betrachtet werden, bietet doch der Text ihres neuen Hits jede Menge Raffinessen und unzählig gelungene Anspielungen auf den stressigen, von der Belästigung etlicher Paparrazzi gefärbten Alltag, den Mrs. Spears immer wieder aufs Neue bewältigen muss. Keine leichte Aufgabe, sondern vielmehr eine Anforderung, die eine große persönliche Stärke verlangt - sonst wären die Dramen jedes Tages wohl kaum zu überstehen. "Another Day, another drama" - so beschreibt auch Britney selbst ihre Situation. Und auch in der musikalischen Gestaltung von "Piece Of Me" ist diese Gier nach Sensation erkennbar. Ein wenig aufrührerisch, doch auch mit Party-Elementen versehen - so klingt der Song, über den Britney ihre durchaus geeigntete Stimme legt. Selbt diese passt sich dem elektronisch beeinflussten Arrangement an, teils roboterartig und verführerisch (Strophen), dann wieder verzerrt und mit Effekten belegt (Refrain). Eine durchaus interessante Mischung, die dem Track die besondere Note verleiht. Die gut aufgebaute Bridge leitet schließlich zum finalen Höhepunkt hin, in dem der einprägsame Chorus sich schließlich völlig entfalten kann. Ein dichtes Klanggewand und besonders die spannend gesetzten Stöhner, die sich in den Beat einfügen, füllen den Song aus und setzen viele kleine Highlights. Musikalisch gesehen also ein sehr überzeugendes Ergebnis, das zudem in dem ironisch geprägten Video ansprechend visualisiert wird und Britney endlich wieder in alter Form präsentiert. Es bleibt zu hoffen, dass sich auch genügend Käufer für die Single finden werden um einen angemessenen Erfolg zu schaffen, auch wenn das Veröffentlichs-Datum von der Plattenfirma im Grunde viel zu spät angesetzt worden ist. Aber hier kann Britney selbst leider nichts mehr tun. Was sie allerdings getan hat: Eine wunderbare Single kreirt, die ihrem Vorgänger in Nichts nachsteht und hoffentlich das Zentrum der Aufmerksamkeit wieder auf ihr geniales Album "Blackout" verlagert, anstatt auf ihr Privatleben. Wenn man also ein Stück von Britney haben will, sollte man besser zu ihrer CD greifen als zum nächsten Klatschblatt.