Am ehesten kann ich mich der Rezension von Herrn Jürgen Koller anschließen, die positiven Meinungen der anderen Rezensenten vermag ich weitgehend nicht zu teilen. Wer die ZDF-Verfilmung aus den frühen achtziger Jahren mit dem Titel "Bismarcks deutsche Einigung" kennt, kann sich von dieser Produktion nur mit Grausen abwenden. Das liegt nicht so sehr an der Darstellung des Historischen, die alles in allem ungeachtet einiger Schnitzer und Auslassungen annehmbar ist, sondern an vielen Unzulänglichkeiten der Verfilmung. Die Schauspieler sind im Vergleich zur Besetzung Wischnewski/Bismarck, Borsche/Wilhelm, Regnier/Benedetti mit Ausnahme Ochsenknechts, der vor allem als alter Bismarck überzeugt, zum Teil nur wenig adäquat. Die Schauplätze des Films sind teilweise eine Katastrophe, was einem hier als Potsdam verkauft wird, ist geradezu dreist. Dem Zuschauer anstelle von Schinkels eher bescheidenem neugotischen Schloss Babelsberg einen barocken Prachtbau süddeutsch-österreichischen, also höchst unpreußischen Stils zuzumuten, geht einfach zu weit. Die Frage stellt sich, ob es 1990 nicht möglich gewesen wäre, am Originalschauplatz Babelsberg zu drehen, und wenn nicht, dann hätte sich gewiss weitaus angemessenere Möglichkeiten finden lassen. Irgendwie ist dies typisch für den trotz aller ansprechender Liebe zu Kleinigkeiten oberflächlichen Umgang mit historischen Örtlichkeiten. Zudem ist diese erste Begegnung von Wilhelm I. und Bismarck in Babelsberg recht stümperhaft ungenau dargestellt, man lese das in Bismarcks Erinnerungen nach. Auch die Begegnung zwischen Wilhelm und Benedetti leidet unter groben Auslassungen bei den historisch überlieferten Dialogen, wer die Szenen in Bad Ems mit Charles Regnier und Dieter Borsche auf der Kurpromenade gesehen hat, die auch eine Kurpromenade im Bild war, gerät angesichts der hier zu sehenden Umsetzung in Depressionen, so miserabel wird dies bildlich und inhaltlich dargestellt, das gilt auch für die Schauspieler Benedettis und des Kronprinzen Friedrich Wilhelm, der äußerlich völlig daneben liegt. Bismarcks Kürzung der Emser Depesche ist insofern ungenügend ins Bild gesetzt, als dem Zuschauer der ursprüngliche, ungekürzte Inhalt vorenthalten und das Wesentliche der Kürzung nicht herausgearbeitet wird wie im ZDF-Film. Anzumerken sind einige weitere ärgerliche Fehler: Bismarck-Zitate werden aus dem Zusammenhang gerissen, zum Beispiel hält Bismarck Teile seiner Rede vor der preußischen Haushaltskommission hier im Zug auf der Fahrt mit König Wilhelm nach Berlin! Dass es 1862 bereits eine Reichspost gegeben hat, wie das Telegrammformular glauben macht, ist historisch einfach falsch, diese gab es erst ab Mai 1871. Diese Fehler ist für etliche Szenen symptomatisch. Gelungen sind die vermutlich fiktiven Gespräche mit Bankier Bleichröder und die Szenen mit Bismarcks Gattin Johanna. Alles in allem ist dieser Dreiteiler im Vergleich mit der in Bezug auf Schauspieler, Schauplätze und Exaktheit äußerst gewissenhaft und liebevoll produzierten ZDF-Verfilmung enttäuschend. Wer einen Überblick ohne Anspruch auf historische Exaktheit der bildlichen Darstellung haben will, ist leidlich zufriedenstellend bedient, wer Wert auf Genauigkeit und Sorgfalt in der filmischen Umsetzung historischer Details legt, sollte sich die Anschaffung sparen und hoffen, dass der ZDF-Film eines Tages auf DVD erscheint. Das Bemühen ist den Produzenten nicht abzusprechen, einige Szenen sind stimmungsvoll und gut gelungen, aber leider eben nur einige, dafür gibt es Unzulänglichkeiten, die heutzutage nicht vorkommen sollten. Bei einigen schwer verständlichen Dialogen wie zum Beispiel zwischen Kronprinz Friedrich Wilhelm und seiner Gattin Vicky , die zudem mit einem insofern ärgerlich unangemessenen Akzent spricht, der wohl die Engländerin kennzeichnen soll, als ihre Mutter Queen Victoria fließend Deutsch sprach und ihr Vater Albert Deutscher war, ist die Tonqualität unzulänglich, selbst bei Gebrauch eines Kopfhörers, was nicht hätte sein müssen. Gerade weil das ZDF vor knapp dreißig Jahren vorbildlich gezeigt hat, wie mit einem solchen Stoff hinsichtlich historischer Tatsachen und ihrer bildlichen Umsetzung umzugehen ist, ist dieser alles in allem nicht überzeugende Dreiteiler nicht mehr als einen Stern wert.