Deutsches TV-Drama über einen Alkoholiker, der an sich selbst und aufgrund sozialer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen scheitert. Der wegen Alkoholismus entlassene Manfred Burger (Günter Lamprecht) will nach erfolgreicher Entziehungskur wieder ein normales und geregeltes Leben führen. Doch seine Bemühungen auf Wiedereinstellung tragen keine großen Aussichten auf Erfolg, ebensowenig seine eher unmotivierte Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. Den inneren Druck, ausgelöst durch berufliche Perspektivlosigkeit, finanzielle Einschränkungen und Spannungen in seiner Ehe, hält Manfred nicht mehr aus: er wird rückfällig. Erst trinkt er heimlich, dann auch in Gegenwart seiner Frau. Nach einer tage- und nächtelangen Kneipentour zertrümmert er im Alkoholrausch die Wohnungseinrichtung und schlägt seine Frau brutal zusammen. Nach seinem Delirium im Krankenhaus erwachend weiß er nicht mehr, was vorgefallen war. Reumütig und hilflos versucht er, den Kontakt zu seiner Frau wiederherzustellen, diese hat jedoch bereits die Scheidung eingereicht. Nur seine Mutter, in deren Wohnung er bald wieder einzieht, hält zu ihm, erdrückt ihn aber mit ihrem Verständnis gegenseitiger Abhängigkeit. Mehrere Gespräche mit einer Psychologin der Suchtberatungsstelle sind für Manfred die einzige Möglichkeit, seine angespannte Situation darzustellen und seine Gedanken und Gefühle auszudrücken. Er erhofft sich ihr Verständnis und ihre Unterstützung, beispielsweise durch die Bewilligung eines erneuten Kuraufenthaltes, scheitert aber letztlich an sich selbst und seiner Unfähigkeit zu einer grundlegenden Einstellungs- oder Verhaltensänderung. Manfred gibt sich endgültig auf und verfällt hemmungslos seiner Sucht. - Goldene Kamera für Günter Lamprecht als Manfred Burger.
Rückfälle von Peter Beauvais ist einer der wertvollsten, aber auch schockierendsten Filme, die die psychischen, körperlichen und sozialen Auswirkungen einer schweren Abhängigkeitserkrankung, am Beispiel des Alkoholismus, in einer Spielhandlung aufzeigen. Die extrem schonungslose, weil absolut authentische Darstellung eines rückfällig werdenden Alkoholikers ist für Zuschauer nur sehr schwer zu ertragen, und dies trifft nicht nur auf Konsumenten von sonst eher leicht verdaulichen Unterhaltungsfilmen zu. Doch das, was uns vor Augen geführt wird, spiegelt die Realität ohne Schönfärberei und in all ihrer Drastik und Deutlichkeit wieder, heute genauso wie vor 35 Jahren.
1977, als der Film gedreht wurde, war Alkoholismus in Deutschland noch nicht sehr lange als Krankheit anerkannt, was es Betroffenen besonders erschwerte, innerhalb ihres gesellschaftlichen und sozialen Umfeldes einen erfolgreichen Weg aus der Abhängigkeit zu gehen. Leider ist festzustellen, dass trotz der gestiegenen Zahl von Therapiemöglichkeiten, Fachkliniken, Suchthilfeeinrichtungen und Selbsthilfegruppen das grundsätzliche Verhalten und die Einstellung unserer Gesellschaft, was Alkohol und Alkoholismus betrifft, sich nicht deutlich geändert oder verbessert haben. Bestes Negativbeispiel ist die Alkoholwerbung in Fernsehen, Rundfunk, Kino und auf Plakaten, die Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern weiterhin die wohltuende, befreiende und glückbringende Wirkung alkoholischer Getränke jeder Art, jeden Geschmacks und vor allem jeden Promille-Gehaltes suggerieren, und zwar erfolgreich.
Der Film Rückfälle schildert in schonungsloser Härte die rasche Entwicklung und das potentielle Ende einer schweren Suchterkrankung, die sowohl von der Gesellschaft als auch vom Betroffenen selbst nicht mit der notwendigen Ernsthaftigkeit und dem gebührenden Respekt behandelt oder beachtet wird. Die im Film dargestellten Rahmenbedingungen und das Verhalten der Personen im direkten Umfeld des Betroffenen, der (vielleicht) noch eine letzte Chance sieht, sein Suchtproblem in den Griff zu bekommen, verschlimmern geradezu seine angespannte Situation und seinen labilen Zustand und führen seine Bemühungen um ein abstinentes Leben ad absurdum.