Zu dem was die beiden Vorrezensenten schon sehr treffend beschrieben haben, möchte ich aus meiner Sicht noch ergänzen:
Die Fotos transportieren ihre jeweilige Stimmung sehr stark aber oft unterschwellig, ganz ohne Effekthascherei. Wer das nicht erfasst, könnte einige von ihnen gar - rein fotografisch - etwas schwach finden - aber so ein Leser würde sich dieses Werk wohl garnicht erst kaufen. Man merkt bei Wender's Fotografien einfach das Auge des Filmemachers. Die Eindrücklichkeit der Szene kommt auch im unbewegten Foto deutlich rüber, auf eine Art und in einer Intensität, die einem nicht oft begegnet. Es ist sinnvoll, sich beim Anschauen Zeit zu nehmen, in die Situation einzutauchen.
Ein Grundakkord, den man als Distanziertheit oder Einsamkeit, oder vielleicht besser als uneingreifend-beobachtend bezeichnen könnte, schwingt mal etwas lauter, dann wieder leiser, aber immer deutlich vernehmbar durch das Buch.
Immer wieder betrachte ich einzelne Fotos oder Gruppen von Seiten, lasse sie auf mich wirken (und versuche, herauszufinden, "wie er das hinbekommen hat" um Anregungen für meine eigene Bildgestaltung zu erhalten) und erkenne immer wieder: die Wahrnehmungsfähigkeit, die macht alles aus.
Interessant auch zu sehen, wie sich die Fotos von den 80er Jahren zu denen aus den 2000ern verändern. Eine Binsenweisheit, jeder Mensch verändert sich, so auch die Fotos. Trotzdem finde ich es immer wieder interessant und aufschlußreich, das zu beobachten.
Noch mein üblicher Warnhinweis: wer spektakuläre Szenen und digital Aufgepepptes sucht, wird hier nicht fündig. Das hier ist klassische, zeitlose Lichtmalerei mit Tiefgang.
Die Verarbeitung (ich habe das Taschenbuch) ist tadellos, die Fotos werden in guter Druckqualität auf schönem, stabilen Glanzpapier präsentiert.
Ein sehr wertvolles Buch sowohl für den erfahreneren Betrachter oder Fotografen, aber genauso für den Anfänger zu empfehlen, um garnicht erst auf falsche Fährten (Stichwort inhaltsleere, aber technisch hochgezüchtete Fotografie) zu kommen.