Es war 1985 und für mich war Musik schon damals einer meiner größten Leidenschaften. Alles was an Taschengeld bei mir einging wurde sobald es ging in schwarzes Vinyl umgesetzt. Vinyl war zu der Zeit meine absolute Lieblingswährung und ich war süchtig nach immer neuen Platten. Auf einer Maxi-Single (ich glaube es war Skin Trade) von Duran Duran stand in den 80er Jahren auf der Rückseite der Hülle I love the Smell of Vinyl in the Morning" (als Anspielung auf Apocalypse Now) und da werden mir alle Plattenjünger zustimmen. Es war doch immer etwas aufregendes eine neue Platte aus der Hülle zu befreien und aufzulegen. Ich gebs auch zu das ich immer daran gerochen habe und jeder der den Geruch kennt wird bestätigen das dies was besonderes war.
So machte ich mich damals, als die Pause vor dem Nachmittagsunterricht begann auf den Weg zum Plattendealer meines Vertrauens. Meine Freunde waren zwar auch sehr an der aktuellsten Mucke interessiert aber meine Sucht nach Platten konnte kaum einer nachvollziehen. So stand ich wieder wie ein Kleinkind das Spielsachen aussucht vor dem Plattenregal und suchte nach neuem Stoff. Bald schon hatte ich Picture Book" entdeckt und war erst mal fasziniert vom tollen Cover. Beim überfliegen der Trackliste stieß ich dann auf einen Titel der mir schon seit Tagen im Kopf herumging. Der besagte Titel war Jericho" und somit gehörte das Album mir. Ab damit an die Kasse und das gesparte Taschengeld investiert. Ich weiß noch wie heute als ich mit meiner Neuerwerbung zurück in die Schule kam wie ein Schüler aus der Parallelklasse zu mir sagte das ich da ein sehr tolles Album gekauft habe. Die Vorfreude war groß endlich zuhause zu sein. Kaum war ich in meinem Zimmer packte ich das Album aus und mit größter Vorsicht legte ich das erste mal Picture Book" auf, machte es mir auf der Couch bequem und schloss die Augen.
Schon der Opener Come to my Aid" geht ins Ohr und das Lied ist noch nicht zu Ende möchte man es nochmal hören. Vor allem ging Micks Stimme absolut unter die Haut. Sad old Red" erinnerte mich z.B sofort irgendwie an den Gesang den man von Sklavenplantagen kennt. Irgendwie traurig aber sofort ergreifend. Mit Look at you now" geht dann aber wieder die Post ab während Heaven" wohl ein idealer Song ist um seiner Angebeteten auf der Tanzfläche näher zu kommen. Danach geht's Schlag auf Schlag weiter, erst Jericho" das erste Lied das ich von Simply Red überhaupt gehört habe und bis heute eines der besten. Mit Moneys too tight" folgt die Debut Single der Band und ein echt geiler (Sorry) Song. Holding back the Years" ist wohl bis heute der schönste Kuschelsong der Band. Während Open up the Red Box" etwas schwerfällig ist geht bei No Direction" wieder die Post ab bevor für mich das absolute Gänsehautlied kommt.
Nach den letzten Tönen von No Direction" war ich schon gefangen von einem Hammer Album aber hier trifft der bekannte Satz zu Das Beste kommt zum Schluss". Der Titelsong Picture Book" ist bis heute eines meiner Top Five Lieder von Simply Red und schon die ersten Töne nehmen den Hörer mit in einer andere Welt, in eine düstere und melancholische Welt. Als der Song zu Ende ging hatte ich Gänsehaut und sofort setzte ich die Plattennadel wieder bei Picture Book an. Ich weiß nicht wie oft ich mir das Lied an diesem Tage angehört habe, aber ich weiß das es auch bis heute nichts von seinem Reiz verloren hat.
Picture Book" gehört bis heute zu meinen absoluten Lieblingsalben und es bleibt für mich auch bis heute das beste von Simply Red auch wenn danach fast alle Alben großartig waren.
Was an Simply Red natürlich besonders faszinierend war und ist, bleibt die Tatsache das es im Endeffekt trotzdem nur eine Ein-Mann-Band ist. Die Musiker waren für Mick Hucknall meist beliebig austauschbar. Beim Nachfolger Men and Woman" hatte er noch fast die selbe Besetzung aber im Laufe der Jahre blieb keiner mehr aus der Gründungszeit übrig. Laut Wikipedia ist einzig Saxophonist Ian Kirkham von 1986 bis heute bei Simply Red ein fester Bestandteil.
Als bekannt wurde das Stay" im Jahr 2007 das letzte Studioalbum von Simply Red sein wird war mir das relativ egal weil ich mir dachte das es wohl keinen Unterschied macht unter welche Namen Mick Hucknall nun Musik macht. Als ich aber dann Hucknalls Soloalbum Tribute to Bobby" hörte wurde ich eines besseren belehrt. Unter anderem Namen macht er nun Musik die anscheinend unter der Marke Simply Red nicht möglich war, aber nicht erschrecken, auch wenn es anders klingt ist Hucknalls Soloalbum absolut großartig. Auch wenn meine wohl wieder mal viel zu lange wohl kaum einer lesen wird wollte ich einfach mal ein geniales Album würdigen.