Vorweg: Der Film ist weder Horror, noch Krimi, noch Action, schon gar nicht Komödie. Auch kein Kostümfilm im herkömmlichen Sinn.
Es geht um das Verschwinden von 3 Mädchen eines Internats für höhere Töchter im Australien des Jahres 1900 (Die Atmosphäre in einem solchen Internat ist an sich schon einmalig als Thema für einem Film!). Auf einem Ausflug verschwinden sie beim Anstieg auf den Hanging Rock ohne Aufsicht. Das Gelände wird abgesucht. Trotzdem können Sie nicht gefunden werden. Später entdeckt der junge Aristokrat Michael ein Mädchen lebend, es kann sich jedoch an nichts erinnern. Das nicht gelöste Rätsel führt zu einer Atmosphäre der zum Platzen gespannten Neugier im Provinznest Woodend. Dieses Ereignis wird dem Internat ("College") und seiner Direktorin Mrs. Appleyard zum Verhängnis. Sie verliert das Vertrauen der Eltern. Ihr tapferer wie auch autoritär-oppressiver Kampf gegen den Untergang steht als Symbol für die Aufrechterhaltung der victorianischen Ordnung im damals noch britischen Australien. Die Ordnung im College wird von den pubertierenden Mädchen in Frage gestellt, die die Freiheit des Erwachsenen-Lebens suchen. Die großartigen, lichtdurchfluteten Landschaftsaufnahmen bestechen in ihrem Kontrast zur vollig deplaziert wirkenden Damenmode der victorianischen Zeit. Der unglaublich gelungene Panflöten-Soundtrack tut sein übriges, um den Zuschauer gefangen zu nehmen, ja in förmlich zu hypnotisieren. Der Film nimmt sich Zeit für die einzelnen Szenen, keine schnellen Schnitte. Man kriegt viel mit von den alltäglichen Lebensumständen dieser noch nicht allzulang vergangenen Zeit. Den Beziehungen der Mädchen untereinander und zu ihren Lehrerinnen wird viel Zeit eingeräumt.
Ein wesentliches Thema ist auch die Vergänglichkeit der Zeitumstände. Durch dieses an sich nicht dramatische Ereignis wird das Leben aller Beteiligten im Internat entscheidend verändert. Es ist ein Abschied auf Raten von den (verklärten, ätherisch wirkenden) Verschwundenen, aber auch ein Abschied von der (pompösen, repräsentativen aber auch repressiven) victorianschen Zeit mit ihrer im australischen Outback deplazierten Kleidung. Es ist ein Abschied von der britisch-imperialen Geisteshaltung, die durch die schulischen Karten und die repräsentative Ausstattung des sehenswerten Colleges ausgeht. Und wirklich wird diese Zeit schon mit dem ersten Weltkrieg vorbei sein.
Der Film besticht durch den Reiz des Geheimnisvollen, des nicht gelösten Rätsels um das Verschwinden der Mädchen. Er erzeugt beim Betrachter ein Gefühl des Unwiederbringlichen.
Michael