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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wunderbares Buch, 11. August 2003
In „Picknick auf dem Eis" geht es um die Auseinandersetzung des Protagonisten, des arbeitslosen Journalisten und Dichters Viktor mit der Mafia und ihren Praktiken. Viktor wird von dem Chefredakteur der Kiewer „Hauptstadtnachrichten" angeheuert, um Nachrufe auf noch lebende Personen zu schreiben. Sobald Viktor den Nekrolog geschrieben und das Manuskript abgegeben hat, stirbt die Person auch in Wirklichkeit - Viktors Texte landen also nicht in der Schublade, sondern werden publiziert. Seine Veröffentlichungen werden gelobt und Zweifel darüber, ob der Preis für den „Erfolg" nicht zu hoch sind, werden mit dem Hinweis zerstreut, daß schließlich jeder mal sterben müsse. Doch Viktor lernt sehr schnell, dass es besser ist, sich nicht einzumischen und sich nur um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern. Bis eines Tages ein Nekrolog auf ihn selbst geschrieben wird.... Es handelt sich hierbei um eine Mischung von Kriminalroman, Thriller und Familiengeschichte mit einer witzigen Nebenfigur: einem Pinguin namens Mischa. Dieser ist Viktors Begleiter, seit der örtliche Zoo begann, seine Tiere zu verschenken, als er sie nicht mehr ernähren konnte. Viktor hat sich Mischa zugelegt, um nicht alleine und einsam zu sein. Doch eines Tages steht sein Bekannter Mischa mit seiner Tochter Sonja vor der Tür. Um ihn von dem anderen Mischa, dem Pinguin, zu unterscheiden, heißt er Mischa-Nicht-Pinguin. Nur für ein paar Tage, so beschwört er Viktor, soll seine vierjährige Tochter Sonja bei ihm wohnen. Aus den Tagen werden Wochen und Monate, bis Viktor von Mischa-Nicht-Pinguins Ableben erfährt, einem unnatürlichen Ableben, selbstverständlich. Dafür muß der andere Mischa einspringen: der Pinguin: ihn benötigt die Mafia als Trauergast für Begräbnisse und zahlt pro „Ausflug" 1000 Dollar an Viktor. Doch dieser bleibt stoisch-gelassen, auch als sich die Gewitterwolken immer mehr um sein eigenes Haupt zusammenziehen... „Was früher etwas Schreckliches gewesen war, war jetzt zur Alltäglichkeit geworden. Das heißt, die Leute nahmen es als Norm an, um sich nicht überflüssigerweise aufzuregen, und lebten einfach weiter". Das Buch ist eine bittere Satire auf die von Armut und Korruption geprägte postsowjetische Gesellschaft: „man möchte bloß überleben, c'est tout". Matthias Matussek schreibt zu recht im „Spiegel:" All das ist mit nahezu unbewegtem, traurigem Pinguinblick gesehen, behutsam geschrieben, leise wie der stets fallende Schneee und damit um so eindringlicher. Ja, die lebensgefährlichen Turbulenzen finden an der Peripherie dieses Blicks statt, am äußersten Rande des Erzählstroms." Ein wunderbares, komisches und zugleich zutiefst melancholisches Buch, wie ich finde, welches trotz seiner fast 300 Seiten schnell und leicht zu lesen ist.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Mischa als Metapher, 4. April 2007
Der liebe Pinguin Mischa. Eine Seele von einem Tier. Aber leider leidet er. Physisch und scheinbar auch psychisch. Und Viktor? Ja der Protagonist, der Nekrologe schreibt, wenig Freunde hat und irgendwie zu Frau und Kind kommt, ja der leidet leider auch. Kurkows Buch hat mir sehr gefallen, ich musste aber überlegen warum. Zunächst ist da mal die "Ruhe" der Handlung. Ja, es passiert schon was, eine Reihe von tödlichen "Zufällen" und dubiose Gestalten, aber am stärksten war das Buch für mich, wenn eigentlich nichts richtig passiert. Wenn Viktor auf die Datscha fährt, wenn er sich Tee kocht, wenn er im Hotelzimmer sitzt. Dann erinnert er mich an den kleinen Mischa Pinguin. Er starrt vor sich hin. Er überlegt oder vielleicht überlegt er auch gar nicht, sondern ist einfach nur da. Man weiss es nicht. Aber man fühlt, dass dieses einfach nur da sein angemessen ist für eine Welt, die hinter dem Theatervorhang des offensichtlichen Alltags, ein Horrorkabinett ist, unausprechlich und brutal. Aber was soll Viktor und Mischa schon tun? Diese Buch ist kein Krimi, es ist nicht gerade "spannend", es ist nicht witzig oder auch mässig originell. Es ist eben "da", so wie man in der faszinierend-schaurlichen Welt eines postkommunistischen Landes in Osteuropa als kleiner "Mann" einfach "da" ist. 4 Sterne die voll verdient sind.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Nichts für mich, aber interessant, 24. Januar 2004
Viktor ist ein erfolgloser Schriftsteller, der in Kiew ganz allein mit seinem Pinguin Mischa lebt. Als ihm ein Job bei einer Zeitung angeboten wird, greift er sofort zu: Er soll Nekrologe über berühmte Leute schreiben, die zu dem Zeitpunkt noch am Leben sind. Was anfangs eine gutbezahlte, aber prestige-arme Stelle ist, entpuppt sich bald als etwas ungeahnt anderes: Denn ein Kandidat nach dem anderen stirbt, Viktor macht seltsame Begegnungen. Nur Pinguin Mischa, der offensichtlich chronisch depressiv ist :-), zeigt sich unbeeindruckt... Die Story ist recht originell, besonders natürlich der Pinguin, der nicht der einzige Grund ist, warum im Verlauf der Geschichte immer wieder eine gewisse Skurrilität durchscheint. Mischa ist aber auch schon das einzige, was mir an dem Roman wirklich gefallen hat: „Picknick auf dem Eis" ist unterhaltsam, „ganz nett", aber für mich keine Offenbarung. Kurkow erzählt recht schnörkellos, irgendwie ein bisschen russisch (Winter, Wodka, und mehr oder weniger zufällige, teils merkwürdige Begegnungen bei ein paar Gläsern desselben). Besser gefallen hätte es mir persönlich, wenn sich der Autor für eines entschieden hätte: Will er eine wirklich witzige, skurrile Geschichte erzählen, so etwas wie der russische Douglas Adams sein? Will er realistisch schreiben, auf intelligente Weise zynisch sein, ist das seine Art trockener Humor? Dass ich die Geschichte nicht wirklich einordnen konnte, hat es mir etwas schwer gemacht, mir eine Meinung zu bilden. Vermutlich ist es Absicht den Leser hier etwas im Wald stehen zu lassen. - Bis zur letzen Seite gelesen habe ich trotzdem. Schon rein aus Neugier. Und wegen Mischa. Da das Buch aber einige sehr gute Kritiken (Die Welt, Spiegel, NZZ) erhalten hat, mag es zu einem gewissen Grad Geschmackssache sein - Antesten muss also kein Fehler sein.
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