Diesen Film, der irgendwann in den Siebzigern entstanden ist habe ich Anfang der 80er im Spätprogramm im TV gesehen und war hin und weg.
Durch Zufall bin ich vor einiger Zeit wieder auf diesen Film gestoßen und betrachte ihn immer noch als ein cineasti-
sches Meisterwerk.
Grob umrissen: Die Handlung ist im Australien der viktorianischen Epoche angesiedelt. Mittelpunkt ist ein Mädchenin-
ternat. Als Höhepunkt der Schülerinnen steht ein Ausflug zu der bekannten, geheimnisumwitterten Felsformation in
Australien an.
Bei diesem Ausflug werden drei Mädchen auf rätselhafte Weise verschwinden. Wer hier aber einen Krimi erwartet, der
wird seine Erwartungen nicht erfüllt sehen. (im positiven Sinn).
Schon von Beginn der ersten Szene, die nur die Mädchen bei ihrer morgendlichen "Toilette" beobachtet, spürt man als Zuschauer, dass sich unheilvolle Ereignisse ankündigen.
Die Ausstattung vermittelt eine wunderbar authentische, in diese Zeit angesiedelte Atmosphäre. Angefangen von der Re-
quisitenausstattung, der Optik der Darsteller bis zur Form der Sprache und Kommunikation der Protagonisten unterein-
ander.
Lange Kameraeinstellungen, mit einem Licht, das ein bischen an überbelichtete Filme erinnert, wird eine Studie der
Hauptprotaginisten eingefangen.
Das Mystische und Geheimnisvolle wird sensationell durch Panflötenmusik untermalt, die schon zu Anfang etwas Dra-
matisches hat.
Die Requisiten, die Sprache der Darsteller, die optische Ausstattung der Schauspieler vermittelt ein authentisches
Lebensgefühl der viktorianischen Zeit, die geprägt war durch bigotte Sittenstrenge, Pflicht-und Ehrgefühl.
Vorallem die Internatsleiterin verkörpert diese Attribute hervorragend und bildet das gegenteilige Pendant zu den
schönen, jungen Mädchen, deren Neugierde auf das Leben und die Liebe in romantisch verklärten Vorstellungen im Zen-
trum ihres Daseins stehen.
Aus dem Blickwinkel des eigenen Lebens als Zuschauerin wirkt diese Vorfreude der Mädchen auf den angekündigten Aus-
flug befremdend und spannend zugleich, vermittelt es diese unglaubliche "Enge", mit der sich die damalige Generation
der Frauen abfinden mußte.
Zentral ist hier die Szene zu erwähnen, das die Schülerinnen die Erlaubnis erhalten, auf Grund der großen Hitze die
Handschuhe ausziehen zu dürfen.
Gerade weil der Film beobachtet, stille Dialoge verfolgt, ist er für mich so spannend.
Damit fängt er authentisch die drückende Hitze eines Ausflugsnachmittags ein mit Menschen, die sich damals durch Le-
sen, Beobachten der Natur und Gesprächen unterhalten haben.
Kein tragbarer CD Player, keine Tageszeitung, kein Handy, noch nicht einmal die Möglichkeit einem Badevergnügen nach-
gehen zu können.
Einerseits die zwangsweise "verordnete" Langeweile und andererseits die damalige Fähigkeit mußevoll sich selbst zu
genügen und in phantastischen Tagträumereien zu schwelgen.
Heute habe ich meine Interpretation für den Film gefunden.
Das Verschwinden der Mädchen steht als Metapher für den Ausbruch, für die Flucht aus dieser Enge von Vorschriften und
Moralvorstellungen, die diese Generation der Frauen und Mädchen damals ertragen mußten.
Für mich ist das einer der faszinierensten Filme, die ich kenne. Er hat das was gutes Kino ausmacht.
Keine Vorhersehbarkeit, atmosphärische Dichte, lange Filmsequenzen, die einer Szene Zeit geben zu wirken, phantas-
tische passende Musik und hervorragende Darsteller.
Wobei besonders die Internatsleiterin und die Rolle der etwas fülligeren Schülerin heraussticht. (habe leider den
Namen vergessen).
Wer einen Film im klassischen Krimigenre der Jahrhundertwende erwartet möge auf diese DVD verzichten.
Wer aber großes anspruchsvolles Erzählkino mit der Bereitschaft selbst Antworten zu finden sehen will, sollte in je-
dem Fall zugreifen. MEISTERWERK !!!