Henry Thurber ist völlig verstört und nimmt sogar Umwege in kauf, um unter keinen Umständen mit der U-Bahn fahren zu müssen. Selbst Keller meidet er seit einiger Zeit. Seinem Freund Eliot Granger erzählt er schließlich, weshalb er sich so gravierend verändert hat und sogar dem Kunstverein fern geblieben ist. Dort nämlich hat Thurber die Bekanntschaft mit dem Maler Richard Upton Pickman gemacht, der wahre Alpträume auf die Leinwand zu bannen vermag. Entgegen der konservativen Meinung einiger Mitglieder, die den Künstler am liebsten aus dem Verein ausschließen würden, ist Thurber von den Werken Pickmans sehr angetan. Die beiden Männer freunden sich an und irgendwann lädt Pickmann Henry Thurber in sein geheimes Kelleratelier ein. Dort macht Thurber eine Erfahrung, die sein ganzes Leben verändern wird ...
'Pickmans Modell' ist eine der schauerlichsten und besten Kurzgeschichten von H.P. Lovecraft, obwohl oder gerade weil sie nicht zum Cthulhu-Mythos im engeren Sinn gezählt werden kann. Tatsächlich geht Lovecraft in seiner Geschichte sehr subtil mit dem Grauen um, ehe er am Ende die Bombe platzen lässt. Titania Medien hat sich der Story angenommen und als erstes Hörspiellabel überhaupt den Stoff angemessen vertont. Dabei sind die Macher mit Lovecrafts Werken mehr als vertraut, denn 'Pickmanns Modell' ist bereits die vierte Vertonung einer Geschichte aus der Feder des Schriftstellers, der auch heute noch als Wegbereiter des modernen Horrors gilt. Auch dieses Mal ist es Marc Gruppe exzellent gelungen aus der literarischen Vorlage ein unterhaltsames Hörspiel zu kreieren, was angesichts der an Handlung armen Geschichte, die monologisierend von Thurber erzählt wird, nicht unbedingt einfach ist. Immerhin gilt es den Hörer über eine Stunde lang bei Laune zu halten, und sich trotzdem dicht an das Original zu halten. Wie gesagt, Marc Gruppe ist dies fabelhaft gelungen und wer Lovecrafts Story kennt, der wird seinen Text und seinen Geist in den Dialogen wiederfinden. Die wurden übrigens mit leidenschaftlicher Intensität von Dietmar Wunder (Henry Thurber), Stefan Kaminski (Eliot Granger) und Sascha Rotermund (Richard Upton Pickman) mit Leben erfüllt. Matti Klemm indes trägt in seiner Rolle als Dr. Andrew D. Reid ein wenig zu dick auf. Seine Darbietung ist perfekt für die Bühne, für ein Hörspiel jedoch viel zu theatralisch. Mit Geräuschen wurde sehr sparsam umgegangen, hauptsächlich dienen sie der imaginären Veranschaulichung der Örtlichkeiten. Obwohl Pickmans Modell wirklich gut in Szene gesetzt wurde. Musikalisch kann es die Produktion mit jedem Kinofilm aufnehmen, auch wenn der Soundtrack aus der Konserve stammt.