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Langsam, ganz langsam, lässt Håkan Nesser Wolken vor die Sonne seiner mittsommernächtlich leichten Erzählung vom Erwachsenwerden ziehen. Die Tage unbeschwerter Jugend scheinen gezählt. Seltsame Dinge geschehen unter Mauritz' wachem Blick. Wer ist der Fremde, der abends neben Signhilds geheimnisvoller Mutter Ester im strömenden Regen im Auto sitzt? Was bedeutet der seltsam wissende Blick, den sie Mauritz dabei zuwirft? Auch der skurrile Dichter Olsson, der das Zimmer neben Signhild als Untermieter bezieht, vermag den eifersüchtigen künftigen Popstar nicht zu begeistern. Vollends ins Dramatische schlägt die Handlung um, als Signhild ihren Vater, den vierschrötigen Uhrmacher Kekkonen, ermordet und mit abgeschlagenem Kopf in seinem Bett auffindet!
Håkan Nesser, der sich in Schweden ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Henning Mankell liefert, pflegt den Horror unterm Teppich des kleinbürgerlich Alltäglichen aufzuspüren. Immer findet er dabei Zeit für hübsche Einsprengsel: Zwecks Taschengeldaufbesserung verdingt sich Mauritz als Torfstecher und fühlt sich prompt wie ein Held der Arbeiterklasse. Kurz vor dem Einschlafen schießt dem angehenden Popbarden die Zeile "A Working Class Hero Is Something To Be" durch den Kopf, einen Erguss, den er am nächsten Morgen seinem Idol mit Widmung zuschickt.
Am Ende dieses grandiosen Wechselbades aus Thriller und charmantem Entwicklungsroman hat uns das Drama wieder. Ein halbes Leben wird vergangen sein, bevor Mauritz die erschütternde Wahrheit über die Ereignisse jener fernen Tage herausfindet. Der schwedische Sommer ist nun endgültig für ihn zu Ende. --Ravi Unger
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
34 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Nesser ist wirklich besser...,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Und Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla. Roman (Gebundene Ausgabe)
...als viele der hochgepriesenen schwedischen (Krimi-)AutorInnen. Zu dieser Erkenntnis gelangt der Leser spätestens nach der Lektüre von "Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla". Anfänglich etwas irritiert, ist man aber spätestens ab Seite 100 froh, wenn man am Wochenende nichts geplant hatte, das Telefon nicht klingelt und das Wetter für einen Spaziergang viel zu schlecht ist. Mit seinem neuesten Buch legt Nesser keinen Krimi vor, auch wenn ein sehr brutaler Mord den Ort Kumla erschüttert. Vielmehr ist es eine sehr intensive Geschichte über das Erwachsenwerden in einem verschlafenen Nest im Schweden der 60er Jahre - in all' seinen Facetten. Oft mag man laut lachen, dann wieder leidet man mit den Protagonisten. Die Geschichte entwickelt einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann - wunderbar. Sprachlich bleibt sich Nesser treu - nüchtern und skandinavisch reduziert. So wird es nie kitschig, aber große Emotionen bahnen sich dennoch ihren Weg. Am Ende findet man sich glücklich auf dem heimischen Sofa und fragt sich, warum einen dieses Buch so nachhaltig beeindruckt hat... ...las es sich doch so leicht... Nachhaltigkeit - dieses Wort paßt zu Nessers Werken, an die man noch lange nach der Lektüre denken muß und die einen besonderen Platz im Bücherregal verdienen. Übrigens: und für die nächsten "einsamen" Wochenenden mit schlechtem Wetter empfehle ich "Der Halbbruder" von Lars Saabye Christensen (ebenfalls erschienen bei btb).
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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kein Krimi aber e. köstlicher Roman um Jugend u. erste Liebe,
Rezension bezieht sich auf: Und Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla. Roman (Gebundene Ausgabe)
Dass Hakan Nesser seine Geschichten gerne mit dem Ende beginnt, ist wohl seine Eigenart, die aber sofort einen enormen Spannungsbogen aufbaut. Wer an das Buch mit Krimi-Erwartungen u. Hoffnung auf eine Wiederbegegnung mit Hauptkommissar Van Veeteren herangeht, wird enttäuscht. (Zumal Herr Van Veeteren ja inzwischen nun wirklich im wohlverdienten Ruhestand weilt...)Eigentlich ist es eine wunderschöne, aus der Sicht des 17-jährigen Mauritz erzählte Liebesgeschichte- mit allen Problemen und Nöten der Pubertät, erste Begegnungen, sich nicht trauen usw. Wohlgemerkt, es spielt in den späten 60-er Jahren in einer schwedischen Kleinstadt, da war man noch nicht so freizügig wie heute. Der junge Mauritz erzählt mit viel Witz und Humor sehr anschaulich von seiner Liebe zum schönen Nachbarsmädchen Signhild, die ihm zunächst unerreichbar erscheint. Als dann in deren Haus ein grausiger Mord passiert, kommen sich die beiden näher. Auch die geheimnisvolle schöne Mama von Signhild, Ester Bolego, wird hervorragend beschrieben, man sieht u. hört sie fast, so lebensecht sind die Schilderungen. Der Mordfall erscheint mir in dem Buch eher zweitrangig, obwohl man natürlich die ganze Zeit auf die Aufklärung wartet. Der Leser muss bis fast zur letzten Seite Geduld haben, falls er nicht schon vorher die richtige Vermutung hatte, dann wird alles aufgelöst. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wieder ein wunderbarer Nesser!,
Rezension bezieht sich auf: Und Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla. Roman (Gebundene Ausgabe)
Mit diesem Buch zeigt Nesser einmal mehr, dass er mehr kann als "nur" Krimis schreiben. Wie schon in "Kim Novak" wird eine wunderbare Mischung aus Krimi und Adoleszenzgeschichte in den 60er Jahrn erzählt - und das mit einer großen Portion Humor (die Beschreibungen von Mauritz' Torfstecher-Ferienjob sind schon ziemlich witzig, ebenso Mauritz' herrlich bissige Kommentare über seine Familie. Auch die langsame Entwicklung der Liebe zwischen Mauritz und Nachbarstochter Signhild wird mit einem ganz leisen, anrührenden Humor geschildert. Dass Mauritz sich irgendwann dazu gezwungen fühlt, selbst Detektiv zu spielen, führt dazu, dass die Krimihandlung nie völlig in den Hintergrund gerät - und die bleibt spannend bis zum überraschenden Schluss. Fazit: Wer "Kim Novak" gerne gelesen hat, wird "Piccadilly Circus" garantiert lieben!
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