Erst einmal auf die Suche begeben, musste ich feststellen, dass Pianomania im Umkreis von 35 km in nur einem einzigen Kino lief - zu Unrecht!
Die Reportage über den Klavierstimmer Stefan Knüpfer (Steinway) war genauso, wie ich sie erwartet hatte - genial.
Handlungsort war überwiegend Wien. Die Arbeit eines der weltbesten Klaviertechniker war unheimlich spannend zu beobachten. Die Zusammenarbeit mit den Klaviervirtuosen (unter anderem Lang Lang (bäh), Pierre Laurent Aimard (toll!), Alfred Brendel ("Ich spiele jetzt!"), Julius Drake, Till Fellner etc. brachte Knüpfer manches Mal an den Rand der Verzweiflung und den Zuschauer zum Brüllen.
Knüpfer gibt Einblicke in den Wahnsinn des Klassikbetriebs: z.B. Ein Jahr lang Vorbereitungen bis zur Aufnahme einer Bach-CD, bei der laut Pianistenwunsch, der Flügel alles darstellen soll: Orgel, Cembalo, Klavichord usw., oder der neurotisch-fanatische Perfektionismus mancher Künstler. (»Von diesem Ton habe ich schon immer geträumt!«)
Wenn Pierre Laurent Aimard zum wiederholten Male ankündigt: »Frage!« ging im Zuschauerraum sofort das Gelächter los. Dramatisch wurde es, als Aimard nur ein Tag vor den Aufnahmen feststellte, dass der Flügel ihm nicht passte, und Knüpfer für Ersatz sorgen musste, oder die gelieferten Hammerköpfe 0,7 mm zu schmal waren.
Dass Flügel grundsätzlich durchnummeriert sind, habe ich vorher nicht gewusst. Für Laurent bedeutete das: Nr. 780 oder Nr. 245? Ein Jahr vorher hat er auf der Nr. 109 gespielt und war bitterlich enttäuscht, zu hören, dass dieser nun verkauft worden ist.
Ich plädiere dafür, in Zukunft anzugeben, welcher Flügel auf einer CD zu hören ist! Was die Violinisten können, können die Pianisten doch schon lange, oder?
Zwischendurch gab es ein paar Längen im Film, weil die Tontechnik-Probleme viel zu lange diskutiert wurden, aber die kann man verschmerzen.
Höhepunkte waren u.a. natürlich die Szenen mit Alexej Igudesman und Richard Hyung-ki Joo: z.B. als beide laut die Luft anhalten, weil Knüpfer droht, den Flügel herunterkrachen zu lassen (herrlich komisch!).
Überhaupt ist Knüpfer ein äußerst sympathischer und humorvoller Mensch. In Pianomania erzählt er eine kleine Anekdote:
Ein japanischer Techniker kommt ganz aufgeregt zu ihm und zeigt ihm einen dicken Staubfussel:
»Schau mal, was ich gefunden habe!«
Knüpfer: »Wo hast du den her?«
Techniker (empört): »Der lag auf dem Resonanzboden.«
Knüpfer: »Oh Gott, leg den sofort wieder zurück!«
Fazit: Ein Muss für jeden Klavierliebhaber (nicht nur für Klassikfans, wenn auch ausschließlich Klassik zu hören ist)!