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Und obwohl ihm das Hören von Violinsonaten oder Klaviertrios nach eigener Aussage Qualen bereitete, weil Streich- und Tasteninstrumente seiner Meinung nach nicht zusammenpassten, kam Tschaikowsky überraschend doch dem Wunsch seiner Gönnerin Nadjeschda von Meck nach und schrieb binnen weniger Wochen zum Jahreswechsel 1881/82 ein monumentales, fast einstündiges Klaviertrio. Es bedurfte allerdings eines tragischen Anlasses, um Tschaikowskys Bedenken zu zerstreuen und seine kammermusikalische Schreibblockade zu lösen: Mit nur 45 Jahren war sein großer Förderer Nikolaj Rubinstein, Bruder des weit bekannteren Komponisten Anton Rubinstein, in Paris der Tuberkulose erlegen. Und so ist Tschaikowskys a-Moll-Trio op. 50 ein klingendes Epitaph geworden, gewidmet "à la mémoire d'un grand artiste", also "dem Andenken eines großen Künstlers", eben Nikolaj Rubinstein.
Hoch anspruchsvoll Entstanden ist ein auch formal höchst ungewöhnliches Werk, das im Grunde aus nur zwei Sätzen besteht, einem melancholischen "Pezzo elegiaco" und einem gewaltigen Variationensatz, bestehend aus einer überaus farbigen Abfolge von Tänzen und Genrestücken. Auch an die Interpreten stellt die Partitur, insbesondere der virtuos-dichte Klavierpart, höchste Ansprüche in puncto Zusammenspiel und Klangbalance. 1998 hatte Gidon Kremer mit Martha Argerich und Mischa Maisky einen Maßstab setzenden Live-Mitschnitt aus Tokio herausgebracht (DG). Dass er sich nun für das audiophile Münchner Label ECM erneut an das Tschaikowsky-Trio machte, bezeugt seine tiefe innere Verbundenheit mit dem Werk.
Überwältigender Gleichklang Diesmal tat sich der bald 65-jährige Altmeister mit zwei jungen Musikerinnen aus seiner Kremerata Baltica zusammen, mit der unerhört musikalischen, erst 23-jährigen Pianistin Khatia Buniatishvili aus Georgien und der einfühlsamen litauischen Cellistin Giedre Dirvanauskaite. Der gemeinsame Atem, der Gleichklang der drei ist überwältigend. Kremer zeigt sich (wieder) ganz auf der Höhe seiner unvergleichlichen Geigenkunst, stets intonationsrein und mit kontrolliertem Vibrato. Auch klanglich ist das derart gekonnt ausbalanciert, dass Tschaikowskys Sorge, sein Trio sei ihm zu symphonisch geraten, unbegründet bleibt.
Für die Ewigkeit Victor Kissines zweites Klaviertrio von 2009 mit dem Titel "Serkalo - Spiegel" ist den Interpreten gewidmet und bietet mit seiner aschfahlen Reduktion zugleich Gegenstück wie passende Ergänzung. Das Ereignis dieser CD aber bleibt Tschaikowskys Meisterwerk, das hier mit einer Freiheit und Innigkeit des Musizierens (meist gegen die originalen Metronomvorgaben) ausgelotet wird, dabei ohne die geringste Spur von Sentimentalität, dass einem der Atem stockt. Vor allem, wenn der blanke Horror in die triumphale Schlussvariation einbricht, das Werk in einen gemessenen Trauermarsch mündet und wie in einem auskomponierten Herzstillstand verlischt … Eine neue Referenzaufnahme ist Kremer und seinen traumwandlerischen Mitstreiterinnen da gelungen, ein Meilenstein in der Diskografie, die Summe eines Künstlerlebens - eine Einspielung für die Ewigkeit. -- Fridemann Leipold (Bayerischer Rundfunk)
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