Auf den ersten Blick scheinen gewisse Beziehungen zwischen den Stücken auf dieser CD offensichtlich und Herbert Schuch versucht im durchaus intelligenten Booklet Interview weitere, eher untergründige Zusammenhänge zu knüpfen.
Doch ich muss gestehen, dass mir die Zusammenhänge bei näherem Hinsehen immer weniger plausibel erscheinen. Schumanns "Nachtstücke" zielen, aller Namensähnlichkeit zum trotz, doch in eine ganz andere Richtung als Ravels "Gaspard de la nuit". Die "Kreisleriana" würde mir viel eher eingeleuchten.
Auch die Zusammenhänge zwischen Mozarts h-moll Adagio und Scriabins 9. Sonate "Schwarze Messe": Sonatensatzform (worüber man in beiden Fällen streiten könnte) und h-moll als "schwarze Tonart", scheinen mir doch ein wenig zu dünn und oberflächlich.
Journalisten lieben jedoch solche Dramaturgen-Kopfgeburten und so ist es nicht verwunderlich, dass die Programmatik der CD positives Echo fand.
Abgesehen davon sind alle Stücke auf dieser CD der Aufmerksamkeit wert und deswegen kann einem letztendlich auch egal sein, ob einem die Dramaturgie einleuchtet oder nicht.
Pianistisch ist es superb, allerdings ist das heute fast selbstverständlich. Ein wirklich individuelles Profil kann ich jedoch nicht so recht erkennen und darin besteht dann eben auch ein Klassenunterschied zu den Spitzenaufnahmen des Gaspard (Michelangeli, Pogorelich) und Scriabin (Horowitz).
Trotz der doch ziehmlich skeptischen Einschätzung glaube ich, dass Herbert Schuch jemand ist, den man im Auge behalten sollte. Irgendwo scheint da noch mehr Potenzial verborgen.