So habe ich Bruckner noch nie gehört. Auf dieser CD sind Klavierstücke vereint, die so gut wie nie in Konzertsälen aufgeführt werden. Es handelt sich dabei um Übungsstücke und Gelegenheitswerke, die vor Bruckners Karriere als Symphoniker entstanden sind und seine stilistische Entwicklung von 1850 bis 1868 dokumentieren.
Die Stücke sind chronologisch geordnet und beginnen mit flotter Tanzmusik in Form von Quadrillen, in die Bruckner ungeniert Zitate aus Lortzing-Opern eingeflochten hat. Im 19. Jahrhundert hatte es durchaus Tradition auf diese Weise Opern-Potpourris zusammenzustellen. Die "Quadrille zu vier Händen" sowie die "Stücke für Klavier zu vier Händen" schrieb Bruckner eigens für seine Schüler. Die ruhigeren Werke "Klavierstück in Es-Dur" und "Stille Betrachtung an einem Herbstabend" sind von Mendelssohn beeinflusst. Wesentlich komplexer ist der "Sonatensatz in g-moll". Die beiden letzten beiden langsamen, gefühlvollen Stücke "Fantasie" und "Erinnerung" fallen bereits in die Entstehungszeit der Messe Nr. 3.
Der Bösendorfer Flügel, der für die Aufnahme gewählt wurde - Bruckner hat auf einem ähnlichen Instrument gespielt - klingt streckenweise wie das Piano eines Western Saloons. Das tut aber nichts zur Sache, im Gegenteil: die Frische und Unbekümmertheit dieser Werke wird dadurch unterstrichen.
Wolfgang Brunner, der sich jahrelang wissenschaftlich und praktisch mit Tanzgeschichte beschäftigte, spielt von flott und mitreißend bis innig und gefühlvoll. Bei den Klavierstücken zu vier Händen wird er unterstützt von dem Sänger Michael Schopper, der hier mit äußerster Spielfreude sein pianistisches Debüt gibt.
Diese CD ist eine absolute Rarität und auch für Hörer geeignet, die gute Unterhaltungsmusik lieben und mit Bruckners Symphonik nichts am Hut haben.