...und ich wohl auch. Nichts dokumentiert meinen Weg zum BOF (boring old fart) so deutlich, wie Lieblingssänger und -gruppen aus der Jugendzeit, die langsam die Entwicklung vom Klassiker zum Fossil durchlaufen. 38 Jahre ist es jetzt her, dass Billy Joel seinen ersten Plattenvertrag bei einem großen Label erhielt (Cold Spring Harbour kam zwar vor Piano Man, erschien aber nicht bei Columbia). Dieses etwas seltsam-unrunde Jubiläum wird nun mit der Legacy-Edition des "Piano Man" Albums gefeiert.
Das sei, so sagt das Label "restored", was immer man darunter verstehen mag. Besonders anders klingts jedenfalls nicht, vielleicht ein bischen klarer (meine Ohren sind halt auch nicht mehr das...). Das Besondere an dieser Ausgabe ist die "Bonus-CD". Dort ist der Mitschnitt eines Live-Auftritts beim amerikanischen Sender WMMR aus dem Jahr 1972 zu finden, sozusagen die Mutter aller Billy-Joel-Live-Aufnahmen. Der bietet nicht nur die ersten Versionen von Klassikern wie "Captain Jack" oder "The Ballad of Billy the Kid", die im übrigen schon ziemlich so klingen, wie die bekannten (und ein Jahr später auf "Piano Man" veröffentlichten) Versionen. Sie bietet zusätzlich drei Lieder, die es bisher auf keinem anderen Billy Joel Album zu hören gab: "Long, long time", "Rosalinda" und "Josephine".
Das wärmt das Fans Herz, zumal die gesamte Aufnahme einen wirklich guten Eindruck hinterläßt. Man hört die fast 40 Jahre zwar, die die Aufnahmen auf dem Buckel haben (tontechnisch ist die Aufnahme durchaus gut aber sicher nicht excellent), aber Billy Joel klingt so frisch und jugendlich, dass es eine wahre Freude ist. Insofern beziehen sich die 5 Punkte weniger auf das Original-Album als auf den Live-Mitschnitt, der wirklich eine Bereicherung für jede Billy Joel Sammlung darstellt.
Ein Wort noch zur Preispolitik: Man kann diese Edition zu sehr unterschiedlichen Preisen im Netz finden. Teils sehr sehr teuer, teils recht fair. Der Meister verkauft sie auf seiner Website selbst - und zwar zu einem angemessenen Preis :-)