Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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26 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Überlebenskräfte - die Urenergie von Musik, 7. November 2003
Von Ein Kunde
Das Buch von W. Szpilman habe ich erst nach dem Film gelesen, wobei ich diesen anfänglich "mir nicht antun wollte". Erzählungen einer Freundin klangen so unglaublich grausam, das ich mir nicht vorstellen konnte, mit den Bildern dieses Films klar zu kommen. Da ich schon so viel über die Judenverfolgung und -vernichtung gelesen, gesehen und besprochen hatte, war ich auch davon überzeugt, bei diesem Teil der deutschen Geschichte "nichts Neues wissen zu müssen" - letztlich in dem Film erleben zu müssen. Nachdem mein Mann die DVD zu dem dokumentarischen Buch gekauft hatte, schaute ich mir erst einmal die Begleit-DVD mit den Interviews und Szenenausschnitten an. Etliche Aussagen von Roman Polanski als Regisseur mit dem Hintergrund seiner eigenen Familientragödie haben mich jedoch so fasziniert und letztlich ermuntert - um das so auszudrücken - mir den Film selbst anzuschauen. Natürlich wird in den Worten von W. Szpilman authentischer und mit eignenen inneren Bildern drastischer erzählt bzw. individuell hautnah vermittelt, wieviel Unsagbares er durchgemacht hat. Ich kann eigentlich bis jetzt nicht die Tragweite begreifen, wie ein Mensch dieses Elend und vor allem das Bewußtsein überleben konnte, dass die ganze Familie in Auschwitz umgekommen ist - nur er eben nicht. Nach Aussagen von <3.Reich-Genozid-Fachleuten> haben es die Überlebenden deshalb schwer, ihr Leben annehmen zu können, weil sie nicht wissen, wie sie damit fertig werden sollen, als z.B. einzige aus der ganzen Familie überlebt zu haben. Aber W. Szpliman überlebt und fängt neu an, durch seine Musik zu leben. Aber wie im Vorwort nachlesbar, spricht er letztlich kaum über seine persönlich erlebte Tragödie und den Tod seiner "Liebsten". Auch das beweist mal wieder, wie wichtig unser Verdrängungsmechanismus ist, um unbeschreiblich Grausames über-l e b e n zu können. Das Zeugnis seines Buches ist eine Lektüre, die vor allem in Schulen Eingang haben sollte. Weil das noch eine der Chancen sein kann, dass junge, heranwachsende und leicht manipulierbare Menschen über die W a h r h e i t der Judenverfolgung durch Menschen dieser Zeit erfahren. Das Buch ist absolut für mich lesenswert.
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42 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein individuelles Schicksal als Brennspiegel der Geschichte , 30. Juli 2008
Jeden, der sich mit den grossen Massenverbrechen des 20. Jahrhunderts beschaeftigt, werden die Opferzahlen sprachlos machen. Millionen Tote durch die Nationalsozialisten und Kommunisten, wer kann sich das vorstellen? Gerade weil das Verstaendnis der Geschichte auch gerade in ihren schrecklichen Passagen an den Nachvollzug konkreter Schicksale gebunden ist, kommt der Literatur im Zusammenhang von Holocaust und Gulag eine solche Bedeutung zu. Ein solches Buch, das dem Leser eine Vorstellung von den Schrecken des Krieges vor dem Hintergund eines konkreten Schicksals bietet, ist die Geschichte der "wunderbaren Errettung" des polnischen Pianisten Wladyzslaw Szpylman.
"Der Pianist" Wladyslaw Szpylman ist eines von vier Kindern des Ehepaares Spzylman aus Warschau, das ebenso wie die meisten Polen im September 1939 vom 2. Weltkrieg ueberrascht werden, ohne im Entferntesten ahnen zu koennen, was sie erwartet. In einer beaengstigenden Uebergangslosigkeit vollzieht sich der Wechsel von der buergerlichen Normalitaet in den Schrecken des Voelkernmordes. Gerade noch musiziert der junge Pianist im polnschen Rundfunk, da wird Warschau schon eingekesselt und am Ende einer Belageurng, die ueber 20.000 Tote kostet, von den Deutschen erobert. Es dauert nicht lange, da beginnt die Ghettoisierung der Juden, eine Groteske der Geschichte, bei der Gebildete und Dumme, Edle und Halunken, Reiche und Arme, kurz: der gesamt Mikrokosmos deer juedischen Welt in einem Viertel Warschau zusammengepfercht werden. Am Anfang gab es im Ghetto noch Theater und Cafes, in denen der Pianist Szpylman sein Geld verdiente, um sich und seine Familie durchzubringen. Nach zwei Ghettojahren, in denen sich die Lebensbedingungen im Ghetto kontinuierlich verschlechterten, wird die Familie Szpylman selktiert und fuer den Transport nach Auschwitz vorbereitet. Wladyslaw wird durch einen Zufall von der Deportierung ausgenommen, muss aber sehen, wie seine gesamte Familie, Vater, Mutter, Bruder und die beiden Schwestern, die Rampen zur Eisenbahn hochgetrieben werden und ihre Fahrt in den Tod beginnen.
Von diesem Punkt der Handlung an entwicklet sich der Roman zu einer Fluchtgeschichte - in immer neuen Verstecken gelingt es dem Pianisten seinen Verfolgern zu entkommen, er ueberlebt den Aufstand der Juden im Ghetto, den Aufstand der Armiqa Krajowa im Jahre 1944, immer weiter wird die Stadt zerstoert, immer kleiner wird der Kreis der Freunde, die ihm noch helfen koennen, bis er am Ende dann doch einem Werhrmachtsoffizier in die Arme laeuft, der ihn, "ein Wudner", nicht nur laufen laesst sodnern auch noch mit Nahrung und Verstecken versorgt.
Kein Wunder, dass diese Geschichte duch die gleichnamige Polanski-Verfilmung weltberuehmt wurde. Aber auch fuer diejenigen, die den Film gesehen haben, lohnt die Lektuere des Buches - einmal, weil in dieser Neubearbeitung endlich der authentische Text von den Retuschen und Propagandaeinschueben der kommnisichen Machthaber bereinigt wurde, zum anderen aber auch, weil dem Buch eine Passage ueber Wilm Hosenfeld beigefuegt wurde, jenen Wehrnmachtsoffizier, der den Pianisten kurz vor Ende des Krieges rettete. Gutmenchern unserer Tage werden allerdings an dieser Figur keine Freude haben, denn es handelt sich um einen durch und durch national und christlich denkenden Soldaten, der wie die Attentaeter des 20. Juli erst duch die Greuel der Judenmorde zu Umkehr und Einsicht findet, dann aber unter Einsatz seines Lebens mindestens sechs Juden das Leben rettet. In dem am Ende des Buches abgedruckten Tagebuch heisst es unter dem Eintrag des 16.6.1943 in Bezug auf den Holocaust: "Wir haben eine unaustilgbare Schuld auf uns geladen. Wir verdienen keine Gnade. Wir sind alle mitschuldig." Und am 5.12.1943:"Alle Verbrechen, die wir begangen haben, wird das ganze Volk buessen."
Alle Versuche des Ueberlebenden Szpylman den Offiyzier Hosenfeld nach dem Ende des 2. Weltkrieges aus der russischen Kriegsgefangenschaft freizubekommen, schlugen fehlt. Hosenfeld hatte weniger Glueck als der Pianist. Er starb im Jahre 1952 entkraeftet und schwer misshandelt in Sibirien.
Nicht zuletyzt wegen dieses Anhangs und des ganz ausgezeichneten Kommentarts von Wolf Biermann ein unverzichtbares Buch auch fuer alle, die sich mit der deutschen Schuld auseinandersetzen moechten.
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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Leben mit dem Grauen, 18. November 2002
Der Autor beschreibt die Zeit vom Überfall der Deutschen auf Polen bis zum Einmarsch der Sowjettruppen. Eine sehr eindringliche Schilderung der Lebensumstände in Warschau, speziell im Ghetto. In einer einfachen, klaren Sprache gelingt es dem Autor, ohne Pathos, Leidenschaft und viel Emotionen, das Bild des Grauens zu zeichnen, die Hoffnungslosigkeit und Resignation darzustellen und auch verständlich zu machen, warum sich die Geschichte so und nicht anders entwickelt hat.Sehr beeindruckend sind auch die kurzen Aufzeichnungen des deutschen Hauptmanns im Anhang, der dazu beigetragen hat, W. Szpilman zu retten. Darin zeigt sich, dass die Unmenschlichkeit zwar erkannt, aber nicht verhindert werden kann. Ein sehr gelungenes Werk, dass der Kommentare von W. Biermann nicht bedurft hätte, im Gegenteil, dessen Anmerkungen trüben den Eindruck etwas und setzten die Wertung herab. Unverständlich was sich der Verlag dabei gedacht hat. Szpilmans Werk erzeugt durch die ihm eigene Schilderungsform beim Leser die entsprechende Stimmung und den entsprechenden Klang, Biermanns Kommentare dagegen wirken wie ein plattes Geplärre, das disonant die Stimmung zerstört. Musste sich da jemand umbedingt in den Vordergrund drängen? Schade.
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