Der Ansatz von Richard A. Muller ist lobenswert: Für zentrale Frage unserer heutigen Zeit wie Terrorismus, Energie und Klimawandel die in Umlauf befindlichen Meinungen und Aussagen kritisch zu hinterfragen und an den physikalischen Gegebenheiten zu spiegeln. So fragt er sich, ob schmutzige Kernwaffen tatsächlich für terroristische Attentate geeignet sind, wie lange ein Atommüll-Endlager stabil bleiben muss, welche Aussagen zur Klimaerwärmung auf Fakten basieren und welche auf dem Wunsch die Menschheit aufzurütteln, und wofür alternative Energie geeignet sind bzw. wofür nicht. So versucht er ohne persönliche Bewertungen die physikalischen Fakten darzustellen, ganz gelingt ihm das allerdings (natürlich) nicht. Dennoch fühlt man sich eher informiert als indoktriniert.
Erfrischend ist, dass er sich bei seinen Analysen nicht auf die eine oder andere Seite der öffentlichen Diskussion schlägt, sondern das Für und Wider auf Basis der Fakten gegeneinander abwägt. So stellt er - ganz Wissenschaftler - klar, dass es eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass das Verhalten des Menschen zu einem für uns ungünstigen Klimawandel führt, gegen den Maßnahmen ergriffen werden müssen. Er entlarvt aber gleichzeitig eine Reihe gar zu simpler Erklärungen die gerne benutzt werden um das Problem besonders dramatisch darzustellen. Hier zum Beispiel erlaubt er sich auch die persönliche Meinung, dass eine tendenziöse Darstellung der Fakten zwar hilft die Politik wachzurütteln, dies aber - wenn die offensichtlichen Fehler der Argumentation aufgedeckt werden - leicht in eine allgemeine Klimawandel-Skepsis umschlagen können.
Etwas aus der Reihe fällt das Kapitel über den Weltraum (Sinn und Unsinn der bemannten Raumfahrt sowie Wissenswertes zu Satelliten). Hier hätte eine kurze Einführung in die Satellitenmessungen zu Beginn der Kapitels über Klimaerwärmung vermutlich ausgereicht. Ebenfalls etwas lang ist das Kapitel über Kernwaffen und deren Physik.
Stilistisch ist das Buch eher ein Kamingespräch über allerlei Themen als eine eine Faktensammlung, was das Buch natürlich einfacher zu lesen macht, an dem einen oder anderen Punkt allerdings für meinen Geschmack das entscheidende Quentchen Tiefe vermissen lässt. Was mich persönlich sehr gestört hat ist die häufige Wiederholung der schulmeisternden Phrase "was man wissen muss um sich ein Urteil bilden zu können".
In Summe ist das Buch eine leicht zu lesende Übersicht über aktuelle Fragen, in der versucht wird ideologische Weisheiten außen vor zu lassen und einen unverstellten Blick auf die Fakten zu werfen. Es ist kein Sachbuch, aber dennoch an vielen Stellen sehr informativ. Bewusst außen vor bleiben (größtenteils) politische Bewertungen und Strategien.