Mein Gott, Townsend macht es dem durchschnittlichen Rockliebhaber aber auch schwer, Fan von ihm zu sein. Nachdem seine beiden vorherigen Alben, "Ocean Machine" und "Infinity", sehr melodiös, zahm bis poppig daherkamen, fängt dieses Werk erst eimal mit zwei High-Speed-Nummern an, von denen sich vor allem Victim als recht brutale Knüppelorgie darstellt. Danach bleibt man mit "Material" zwar eindeutig härter und metallischer als auf den Vorgänger-Alben, kommt aber wieder typisch Townsend, mit Orgelklängen, Streichern und sahnigem Refrain um die Kurve. "Kingdom" ist eine ganz exquisite Mischung aus eben Jenem, und einer im Verlauf folgenden, weiteren Double-Bass-Attacke, woran "Death" anknüpft, mit dem, was der Titel verheisst (Death Metal, eben). "Devoid" und "The Complex" sind typische SYL-Gekloppe mit Zuckerguß aus Synthie-Dudeleien, wobei Letzteres zum Schluss hin wieder deutlich melodiöser wird. Und das Ende dieses kurzen Albums bilden dann zwei Lieder, die wieder eher nach dem klingen, was die vorherigen Alben in den metal-lastigeren Phasen boten. Irish Maiden ist einfach nur purer Heavy Metal, mit Jupiter wird es wieder etwas melodiöser, und der Schlusstrack Planet Rain ist ebenso geil, wie lang: er nimmt mit 11 Minuten mehr als ein Viertel der gesamten Spielzeit des Albums (ca. 41 Minuten) ein, ist aber keinesfalls langweilig. Es ist einfach nur ein Townsend-typisches, pompös-melodisches Klang-Feuerwerk. Selten zeigte sich Townsend dem Klischee "Genie und Wahnsinn" näher, als auf dieser Platte. Man mixt brutale Knüppelei mit poppig- bis symphonischer Melodiösität. Der Fan braucht wirklich einen weitgefächerten Geschmack. Manch einem mag das hier nicht homogen genug sein. Die Härte-Anfälle sind jedoch recht kurz gehalten.
Witzig bis geil ist dieses Album. Was den Härtegrad angeht, ist es einfach eine Berg- und Talfahrt. Die Kombination aus Brutalität und Harmonie haut meiner Ansicht nach voll hin, und nichts, was vorher behutsam und sensibel aufgebaut wurde, wird kaputtgedroschen. Die "Stilbrüche", die man ihm hier vorwerfen könnte, werden dadurch wettgemacht, daß er es hier schafft, halbwegs versöhnlich überzuleiten, dh. mit "Zwitternummern" wirkungsvoll auf- und abzubauen. Man merkt, dass Townsend hier nicht nur eine Kompilation aus guten Songs, sondern ein Gesamtkunstwerk abliefern wollte. Alles in allem könnte man dieses Album, auch ob der knappen Spiellänge, und des Erscheinens der Lieder "wie aus einem Guß", das "Reign In Blood" des progressiven Metals nennen ;) Fazit: gelungen!