„Bates’ Guide to Physical Examination and History Taking“ (9.Auflage von 2005) ist ein ganz nettes Buch, aber warum es so berühmt und beliebt ist, kann ich nicht wirklich verstehen. Es gibt deutlich bessere Bücher über Anamnese und körperliche Untersuchung. Schön gemacht sind die Tabellen mit den Krankheitsbildern und besonders didaktisch clever ist die Idee, dass zweidrittel der jeder Seite die Vorgehensweisen bei der körperlichen Untersuchung beschreiben und das letzte Drittel am rechten Rand immer die pathologischen Erkenntnisse füllen. Diese Strukturierung macht es sehr angenehm und übersichtlich. Ein wirklicher Pluspunkt. Den Bates gibt es auch in der deutschen Version (7.Auflage), die aber für den deutschen Markt teilweise abgeändert wurde. Aufgrund der vielen Seiten, Informationen und Bilder, lohnt sich schon die Investition.
Dennoch ist das Buch sehr oberflächlich, viele Untersuchungen fehlen (eine Seite darüber, wie man Temperaturen misst, aber nicht, ab welcher Temperatur die Autoren Fieber definieren) oder sind merkwürdig, z.B. die Untersuchung der Nasenlöcher mit einem Otoskop - dadurch ist zwar eine vergrößerte Darstellung der Nasenmuscheln möglich, aber man sieht kaum etwas. Die Verwendung eine Nasenspekulums wird immerhin in der Fußnote erwähnt.
Wer ein sehr ausführliches Anamnese und körperliches Untersuchungsbuch aus dem englischsprachigen Raum haben möchte, dem empfehle ich lieber Swartz: „Textbook of Physical Diagnosis“ (da sind zwar die Pathologien im Text integriert und es sind weniger Tabellen, dafür aber mehr Informationen und wertvolle Abbildungen. Ebenso geht Swartz ins Detail, bietet mehrere verschiedene Vorgehensweisen bei einer Untersuchung an, allerdings sind keinerlei Wörter im Text fettgedruckt.)
Sowohl beim Bates als auch bei Swartz gibt es als Bonus eine CD mit Lehrfilmen. Die im Bates sind etwas lieblos und langweilig und wurden wohl auch nur gemacht, weil Swartz auch eine solche CD produziert hat. Jedenfalls stand bei mir der Mund offen als ich die Lehrfilme von Swartz sah, und dass er wirklich so großartig mit seinen Patienten umgeht wie es im Film zu sehen ist, kann man auch erkennen, wenn man das Buch liest.
Ich hatte mir allgemein mehr von Anamnese und körperliche Untersuchung-Büchern aus dem englischsprachigen Raum vorgestellt, letzten Endes muss ich aber sagen, dass mir die Duale Reihe von Füeßl und Middeke (besonders für Medizinstudenten in Deutschland), besser gefällt. Zwar geht es nicht so sehr ins Detail (zudem weitaus weniger pathologische Bilder) wie Swartz, aber dafür geht es mehr in die Breite.
Die Lehrfilme von Swartz allein würden schon den Kauf seines Buches rechtfertigen, die im Bates nicht.
Hoffe mit dieser Bewertung weiter geholfen zu haben.