Nach drei sehr erfolgreichen Strokes-Alben hat sich Frontman Julian Casablancas in Eigenregie versucht und mit "Phrazes for the Young" ein Album geschaffen, das vom Titel her sehr gut zur Aufmachung und nicht zuletzt zur Musik auf der Platte passt.
Ein Rock-Star, der Casablancas ohne Zweifel ist macht Musik ganz ohne Starallüren - so scheint es. Und auch, wenn (wieder einmal) viel zu viel im Vorfeld über Soloprojekt, Strokes etc. getratscht worden ist, so muss man "Phrazes for the Young" doch zugute halten, dass es wirklich gut geworden ist. 8 Songs, die aufgrund überdurchscnittlicher langer Einzelspielzeit (ca. 5 min) ein zeitlich gesehen insgesamt mittellanges Gesamtwerk ergeben, fügen, ja schmiegen sich so fröhlich-unbeschwert aneinander, dass man spätestens nach Hördurchgang Nummer 3 freudig mit den Füßen dazuwippt.
Die Scheibe ist durch und durch ein Gute-Laune-Album, das von "Out of the Blue" (welch passender Titel!) bis "Tourist" Spaß macht und immer wieder auch unerwartete Glücksmomente parat hält.
Zwar war ich zunächst enttäuscht, dass sich Herr Casablancas Jr. - zumindest momentan - von den Strokes wegbewegte, um seiner eigenen Kreativität mehr Raum zu geben, allerdings hat sich meine Enttäuschng mit Erwerb dieser Platte gelegt!
Wer (so auch ich) es trotzdem nicht lassen kann und immer und immer wieder Vergleiche und Parallelen zu den Strokes finden muss, wird feststellen, dass es auf diesem Solo-Projekt weniger eckig-kantig-schmutzig-rockig zugeht und dass ein Computer allerhand zunächst verwirrende aber mit der Zeit besser und besser und angenehmer in den Hörgängen liegende Sounds beisteuert, die jedem Song noch ein Extra-Sahnehäubchen oben drauf setzen. Es ist halt alles in allem mehr ALTERNATIVE denn Rock!
Stimmlich ist alles beim alten. Auch die Grundbeats und Gitarrenmelodien erinnern tweilweise sehr an die Strokes, aber wen stört das schon??
"Phrazes for the Young" ist wohl tatsächlich ein Album, das als Strokes-Platte kaum funktioniert hätte (eben aufgrund allzu ausgetüftelter Elektronik). Was für ein schlauer Schachzug also von J. Casablancas, sich in Ruhe zurückzulehnen und - inmitten heftiger Spekulationen, Vorschusslorbeeren etc. - eine Platte wie diese hier aufzunehmen. Meiner Meinung nach genau die richtige Antwort zur richtigen Zeit!
Ehrlich gesagt verstehe ich die teilweise sehr harten Kritiken hier überhaupt nicht! Ich möchte jenen Menschen höflich und gut gemeint raten, der Scheibe ein bisschen mehr Zeit zu geben.
Erstaunlich, dass Julian Casablancas nach drei so intensiven und wirklich gelungenen Strokes-Platten noch genügend Kraft und Kreativpotential in sich hat, um ein kleines Meisterwerk wie "Phrazes for the Young" zu schaffen!!
RESPEKT!