Man erfährt nicht ob es Zufall war, Schicksal oder die feinen Antennen der Hündin Cat, was Helena und Samuel zusammenführte, aber es endet damit, dass Samuel sich von einer Brücke stürzt und Helena panisch und verzweifelt zurückbleibt. Schlechte Voraussetzungen für einen Liebesroman, sollte man meinen, normalerweise bekannt als Unhappy Ending. In Jennifer Benkaus Roman ist es erst der Anfang.
Ich muss gestehen, dass ich anfangs Probleme hatte, was weniger an der Geschichte lag, denn die beginnt mit einem Knall, sondern mehr an der kleinen Schrift. Der Verlag hat hier einen umfangreichen Roman auf 215 Seiten gepresst, was der Lesefreude leider ein wenig Abbruch tut. Hat man sich einmal dran gewöhnt, und durchschaut, warum dieser junge Mann, der doch praktischerweise unsterblich und ewig jung ist, so zynisch mit seinem Schicksal hadert, lässt die Geschichte nicht mehr los bis die Augen brennen und schmerzen. (Egal, welcher Lesehilfe man sich auch bedient)
Die flippige, lebenslustige Helena mit Hang zum barfußgehen und einer Vorliebe für die Beatles und tropische Früchte, lockt den misstrauischen Samuel Stück für Stück aus seinem Schneckenhaus und weckt Facetten in ihm, die er längst vergessen hatte. Er, der durch sein grausames Schicksal zunächst wirkt als hätte er sich schon aufgegeben, zeigt, dass weit mehr in ihm steckt als zunächst vermutet.
Das Buch wartet teilweise mit Grausamkeiten auf, wie man sie in dem Genre recht selten erlebt, weil reale Tatsachen unserer deutschen Geschichte eingeflochten wurden. Dabei bedient die Autorin sich aber keiner Folterexzesse, sondern setzt nüchterne Erzählungen brutal hinter einen sehr amüsanten Moment, bringt den Leser zum Lachen und kurz darauf dazu, sehr schwer zu schlucken. Manchmal auch beides zusammen, dann gehen Freud und Leid buchstäblich Hand in Hand.
Der Leser begleitet Helena und Samuel auf ihrem Weg zueinander, der in eine Katastrophe zu führen scheint, wie Samuel sie schon oft erleben musste. Denn plötzlich erscheint eine dritte unheimliche Figur, die gegen die aufkeimende Liebe agiert und scheinbar vor nichts Halt macht; weder vor Helenas Träumen, die meiner Meinung nach, mit Wortschöpfungen wie '"Nebelsaumfratzen"' hervorragend dargestellt werden, noch davor, Nebenbuhler niederzustechen. Helena muss diese Bedrohung allein überstehen, denn Samuels Fluch besteht darin, dass er jeden Abend stirbt und am Morgen aus der Asche wiederaufersteht.
Ob diese Geschichte gut ausgehen kann? Vielleicht liegt das in den Händen von Moira, dem niedlichen kleinen Mädchen im Röckchen, das schon mal einen Käfer knabbert und mit dem Teufel spielt.
Mit diesem Roman beweist die Autorin nach ihrer Dämonen-Reihe, dass nicht nur böse Buben interessante Helden abgeben, sondern auch sehr liebe, sensible Protagonisten immer wieder für eine unerwartete Wende gut sind. 'Empfehlenswert für alle Fans von Romantik, subtilem Grusel, Drachen(früchten), modernen Rittern, zickigen Hunden und alternativen Wundern.
Ein letztes Wort noch zum Cover, das ein richtiger Hingucker und äußerst passend ist.