Aus der Amazon.de-Redaktion
Dass Philosophen oder überhaupt Intellektuelle ein problematisches Verhältnis zum politischen Aktivismus haben, ist im 20. Jahrhundert eindringlich klar geworden.
Platon musste schon Jahrtausende zuvor die Erfahrung des Scheiterns als Politiker machen, nämlich beim Versuch, die in seinem großangelegten Dialog
Politeia, der
Staat, dargestellten staatspolitischen Idealforderungen in die Realität umzusetzen.
Nicht zuletzt wegen dieser Staatsutopie mit ihren ebenso spektakulären revolutionären Forderungen -- man denke an die Abschaffung des Privatbesitzes oder die Gleichstellung von Mann und Frau -- ist Platon von Karl Popper einer vehementen Kritik unterzogen worden: Die Idee, Philosophen mögen über das Staatswesen herrschen, gehört nach Popper zu den Kernstücken, antiliberalen und autoritären Denkens.
Wie immer man sich zu dieser Kritik stellen mag -- gewiss ist sie selbst nur vor dem Hintergrund der Erfahrung des Totalitarismus zu verstehen --, so ist die Politeia auch ein Grundbuch abendländischer Metaphysik. Die im Zentrum des Werkes stehenden drei Gleichnisse: Das Sonnen-, Höhlen- und Liniengleichnis, in denen Platon seine Ideenlehre, Wissenschaftstheorie und Ethik darstellt, gehören nicht nur zu den literarisch eindrucksvollsten Zeugnissen des antiken Denkens, sondern auch zu den Texten, von denen man sagen kann, dass sie den Gang der westlichen Zivilisation mitbestimmt haben. --Jens Kertscher
Kurzbeschreibung
Platons Politeia (347 v. Chr.), der utopische Entwurf eines gerechten Staats, gilt nicht nur als sein "Hauptwerk", sondern auch als das wirkungsgeschichtlich bedeutendste Werk der politischen Philosophie in der Geschichte des europäischen Denkens.
Für die 11. Auflage überarbeitete K. Bormann die Apeltsche Übersetzung anhand der Oxforder Ausgabe von Burnet und anderen. Beigegeben wurde eine ausführliche Literaturübersicht, Anmerkungen und Register sowie eine Einleitung.