Die theoretischen Texte des v.a. als Dichter bekannten Friedrich Hölderlin zählen zu den am schwierigsten zugänglichen Werken der deutschen Literatur. Schon in der Zuordnung dieser meist nicht vollendeten, nur skizzenhaft ausgeführten Aufsätze und Programme schwankt die Forschung: stammt das in Hegels Handschrift überlieferte sog. 'Systemprogramm' nun von Hölderlin? oder von Schelling? oder von beiden, oder allen drei? Liefert das lange Fragment 'Wenn der Dichter...' nun Hölderlins poetologisches Programm für seine Hymnendichtung (und wenn ja, was soll es dann bedeuten?), oder handelt es sich um ein allgemeine metaphysische Abhandlung? Es sind auch einige einfachere, d.h. eindeutigere Texte dabei, etwa die bemerkenswerten 'Maximen', aber gerade die schwierigen Texte bleiben spannend.
Der Meiner-Ausgabe kommt das Verdienst zu, diese in den Gesamtausgaben entweder vernachlässigten oder aber verstreuten Aufsätze bequem zugänglich in einem handlichen Band zusammengestellt zu haben. Der Text folgt i.A. der Frankfurter Ausgabe, bewegt sich also auf der Höhe der Zeit. Nachteilig macht sich jedoch der Mangel eines Kommentars oder einer detailierteren Einführung zu den Einzeltexten bemerkbar: die beigegebenen Anmerkungen erläutern nur Realien, der Einstieg etwa in 'Wenn der Dichter...' ist aber ohne profunde inhaltliche Hilfestellung selbst für geübte Leser philosophischer Werke beinahe unmöglich.
Fazit: dieser Band ist nützlich als Grundlage für Seminar-Veranstaltungen oder private Diskussionen (bei denen die Erläuterungen ja erst erarbeitet werden sollen) sowie als Vademecum für Kenner. Einsteiger dagegen, die Hölderlins theoretische Versuche erst entdecken wollen, seien gewarnt: nur mit diesem Bändchen allein ist Hölderlin kaum beizukommen, die Hinzuziehung diverser Sekundärliteratur leider unumgänglich.