In allen Jahrhunderten haben sich die Philosophen damit beschäftigt, Definitionen für Alltagsbegriffe zu finden. Wahrheit ist ein solcher Begriff: Wir verwenden ihn Tag für Tag mehr oder minder unreflektiert, doch was genau bezeichnet er? Thomas von Aquin hat eine überraschend simple Antwort: Wahrheit ist die Übereinstimmung zwischen dem, was wir denken, und dem, was ist. Wenn wir also einen Sachverhalt der Welt richtig erkennen, haben wir etwas Wahres gefunden. So weit, so einleuchtend. Doch beim nächsten Schritt, den Thomas macht - er untersucht, wie wir überhaupt erkennen - beginnen die Schwierigkeiten: Die mittelalterlichen und antiken Denktraditionen, die das Buch prägen, sind heute kaum noch nachvollziehbar. Allein die Rückführung alles Existierenden auf Gott dürfte in den Augen vieler heutiger Leser hinfällig geworden sein. Obwohl das Werk eine Reihe von Denkern beeinflusst hat, ist seine Bedeutung vor allem eine historische: Die Argumentationen in "Von der Wahrheit" bieten uns einen interessanten Einblick in eine lang vergangene Epoche und eine ebenso vergangene Art des Philosophierens.