Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Eigentlich bin ich ganz anders, aber ich komme so selten dazu!" (Ödöm v. Horváth), 19. Februar 2009
Die Beantwortung der Frage eines Königsberger Professors aus dem Jahre 1784 bedarf für die Jetztzeit eine durchaus kritisch-ironische Ausprägung als Anregung zur Selbstreflexion. Nun los!
Zweihundertvierundzwanzig Jahre ist es her, als JEMAND Faulheit und Feigheit ausmachte, die ursächlich - trotz erhöhter naturwissenschaftlicher Erkenntnis - für die privat-historische Entscheidung zur Unmündigkeit in Permanenz stehen. Die Welt umsorgt nun mehr den Nächsten persönlich, der Einzelne wird gebettet in die Leistungen einer 21.Jahrhundertgesellschaft, die bei hinreichendem Geldbesitz als Gegenmittel, Denkverzicht ermöglichen durch die virtuellen, technischen, sozialen Hilfskonvois im Land, wo Glas und Faser liegen. Ist nach Stiegler (Die Logik der Sorge) der Drang nach Aufmerksamkeit allen Marketingstrategen eigen, werden deren Angebote und Leistungen dieser Gesellschaft angeboten, deren Mitglieder zwischen dem von außen definierten hier oder nur da entscheiden könnten. Zumindest wird klar, dass in Anbetracht aller konvergenten Strategien losgelöst von zwischenmenschlichen Bedürfnissen, die Versorgung des Einzelnen in ein initiiertes und zugelassenes Outsourcing-Projekt der Allgemeingültigkeit landet. Behüter der Wünsche des Einzelnen lassen (sich) einfliegen, von Coach bis zum Arzt, vom Seelsorger bis zum Psychiater, von Pharma bis zur Esoterik, vom Sparbucher bis zum Immobilienhyper. Verbunden mit der Übereinstimmung all dieser gesellschaftlichen Vorgaben, gelingt dem Menschen zukünftig die Anpassung an Sparbirnen, die das letzte Licht auch im Kopf ausgehen lassen. Sparen wird zur Maxime, Lean Brain Management (Dueck) zur Lösung aller Probleme, die höherer Verstand dann nicht mehr produziert. Sapere cave!, der Wahlspruch im Jahre 2008!?
Deutschland bewegt sich. So lesen wir in CICERO 7/2008. In Richtung Kindergarten meint Thea Dorn und ihr delphisches Orakel der Moderne verspricht: Sapere cave! Hüte dich, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Der Bürger wird europaweit per Verordnung fürsorglich belagert. War es Angst vor Atom, Angst vor Krieg ist es nun die Chiffre Gesundheit, eine Angst, die prägt, vor Alter zu sterben. face-lifting und anti-aging suggerieren das Überleben als Ent-Faltung im raucherfreien Diesseits. Da wird Physik und Meta-Physik in den Ring geworfen, da werden Kleine Tyrannen genannt, um die großen aus ihrer Ichbezogenheit, deren Mitte sie noch suchten, zu erlösen und allerorten Aufregung vom Pius bis zum Vatikan, von Merkel bis Marx. Zuviel des Nachdenkens gefordert, doch zu spät, der Makel sitzt.
Der Kampfruf: Kerle, wollt ihr denn ewig leben? des alten Fritz (1757) ist heute kein Ansporn, die letzte Schlacht mit allen Mitteln zu schlagen. Im Gegenteil, es gelten Bio und Öko, gesund, aber lichtfrei. Was machen die, die sich widersetzen? Sie lesen ein Buch zur Anregung des Verstandes. Sie verstehen Rezensionen und / oder treten in einen Dialog. Sie denken an die Aufklärung (enlightenment- das steckt Licht drin) und daran, sich der selbstverschuldeten Unmündigkeit und aller a priori Urteile zu entledigen. Sie reanimieren lexikalisches Wissen zur Anwendung in der Praxis. Sie wissen, dass dieser JEMAND Immanuel Kant (1724-1804) ist, der die Antwort auf die Frage: "Was ist Aufklärung? " im Jahre 1784 begann mit:
"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!"
Das wäre doch mal ein Echtheitszertifikat im Zeitalter der alternativen Ichs. "Achtung verdient, wer vollbringt, was er vermag", versprach Sophokles. Seien wir objektiv in eigener Sache. Glauben wir dem alten Horaz: Sapere aude!
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Wahlspruch der Aufklärung!, 10. November 2002
Der vorliegende Band "Was ist Aufklärung?" enthält bedeutende populär philosophische "ausgewählte kleine Schriften" von Immanuel Kant (1724 - 1804), erschienen in der "Berlinischen Monatsschrift", welche Zeitgenossen als das Hauptorgan der Berliner Aufklärung galt.
Obwohl, um sie möglichst jedem Leser zugänglich zu machen, in populärem (allgemeinverständlichen) Ton verfasst, ist die Lektüre, obgleich man förmlich spürt, wie Kant bemüht ist, sich möglichst verständlich auszudrücken, doch nicht ganz so einfach. Wie bei allen philosophischen Texten ist mindestens zweimaliges, in Teilen dreimaliges Lesen unvermeidbar, da z. B. besonders gegen Ende der Schrift "Was ist Aufklärung?" die Syntax an Komplexität doch deutlich zunimmt.
Die Einführung von Ernst Cassirer darf man, meine ich, ruhig überspringen, da diese nicht in populärem Ton verfasst ist und sich, zumindest für mich, als schwerer verständlich als die Kant-Lektüre selbst herausgestellt hat. Auch, so schien mir, kann es zu Verständnisproblemen kommen, wenn man nicht bereits über einen entsprechenden Background der Kantischen Philosophie verfügt, was schade ist, wird dieser Band doch gerade als guter Erstkontakt mit Kant empfohlen.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Epochenbezogenes Werk, 8. Mai 2001
Immanuel Kant, Was ist Aufklärung ? (1784) „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschliessung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen." Mit diesen Worten beginnt Kant seine Schrift „Was ist Aufklärung?". Man kann diese Worte als Kernaussage des ganzen Aufsatzes betrachten, auf die er später immer wieder eingeht und mit denen er sich tiefgründig befasst. In meinen Augen ist diese Schrift fast zu kompliziert geschrieben, weil ja das „dumme (noch nicht aufgeklärte) Volk" sich diese Worte nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern sie mit der Zeit auch in die Realität umsetzen sollte. Zu lange hatten die Menschen in ihrer Unmündigkeit gelebt und sich langsam daran gewöhnt, dass ihnen ihr Denken diktiert worden war, ohne zu hinterfragen, warum sich die Gesellschaft so entwickelt hatte. Das Volk selber war Untertan nicht nur einer Macht (König, Pfarrer, Arzt, Lehrer,..), die frei über das Denken und damit über das Leben dieses Volkes bestimmen konnte, ohne dass dies seine eigene Meinung kundtat. Die Menschen haben zu lange in diesem Zustand gelebt, als dass sie jetzt aus eigener Kraft eine Änderung ihres Verhaltens bewirken könnten. Diese Trägheit liegt vor allem an der Kirche, denn diese hat die Freiheit des Denkens am stärksten und am längsten unterdrückt. Für Kant muss ein Umdenken von „unten" her geschehen, aber nicht von ganz unten, weil der Einzelne eben noch nicht imstande ist, sich seines Verstandes zu bedienen. Kant behandelt den Einzelnen also wie ein Kind, das seine Fähigkeiten erst noch wahrnehmen muss. Zu diesen Fähigkeiten gehört vor allem der Verstand, der dem Menschen erlaubt rational zu denken und seine Unmündigkeit zu verlieren. Die Aufklärung sollte jedem die Freiheit geben, unabhängig von einem Vormund zu denken. Für mich ist diese Schrift ein grundlegendes Werk der Aufklärung. Obwohl sie sehr kurz gehalten ist, macht Kant klar auf das Hauptproblem aufmerksam, nämlich wie man das Volk dazu bringen kann seine geistigen Fesseln abzulegen und endlich auf eigenen Füssen zu stehen. Seine Schreibweise ist nicht sehr einfach. Jeden Satz musste ich mehrere Male überdenken, bevor ich Kants Gedankengänge verfolgen konnte. Das Publikum für dieses Werk wird wohl eher aus Philosophen bestanden haben als aus Freizeitlesern, da es sich hier um ein philosophisches Werk und nicht um einen Roman handelt. Obwohl jeder Satz bloss eine Grundidee enthält, ist die Interpretation nicht einfach, denn viele Sätze sind sehr lang und gespickt von schwierigen Wörtern und Erläuterungen. Absätze gibt es praktisch keine. Dies macht das Lesen relativ mühsam, was aber nichts Negatives bedeuten soll, denn schliesslich zählt der Inhalt der ganzen Schrift. Kant selber studierte Physik und Mathematik und unterrichtete Logik an der Universität. Dies merkt man vor allem an seinen rational durchdachten Schlussfolgerungen. Die Schrift enthält alle wichtigen Merkmale der Aufklärung: Berufung auf die Vernunft, Aufklärung durch mehr Bildung und Erziehung, Gewaltentrennung, Einführung der Menschenrechte. Alle diese Stichworte kommen in dem Werk vor und machen es zu einem fundamentalen Werk dieser Epoche. Kant selber war ja ein bekannter Aufklärer und beeinflusste die Aufklärung nachhaltig, und zwar nicht nur mit diesem Werk, sondern auch mit anderen Schriften, in denen die Aufklärung eine zentrale Rolle spielt. Sein unwandelbares positives Verhältnis zum Wesentlichen und Bleibend-Gültigen der Aufklärung findet hier einen persöhnlichen und sachlichen Ausdruck von unüberbietbarer Deutlichkeit. Wer ein Epochenbezogenes Werk sucht, ist mit diesem sicher gut bedient, obwohl es nicht sehr einfach zu lesen und zu interpretieren ist. Gian-Reto Abbühl, Kantonsschule Chur
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