Ich finde zwar die Idee lobenswert, ein Buch zu schreiben, das einen methodischen statt inhaltlichen ersten Zugang zur Philosophie vermittelt. In Ansätzen ist das Rosenberg zwar gelungen, wenn auch nur mit Einschränkungen. Seine Sprache ist zwar leicht verständlich, jedoch hätte er den Umfang des Buches (der ja nicht an sich schon nicht besonders groß ist) noch problemlos um 1/3 kürzen können, wenn er auf die zahlreichen Wiederholungen verzichtet hätte. U.a. wird der Vortrag immer wieder durch Rückbezüge unterbrochen, wo sich der Autor praktisch selbst zitiert, ohne dass dies dem Verständnis helfen würde. In Bezug auf die Kriterien, die Rosenberg nennt, anhand derer man entscheiden könne, ob ein Argument gültig sei oder nicht, lässt sich sagen, dass dies auch keine Neuheit ist für jemanden, der eine einigermaßen gründlich Schulbildung besitzt. Zwar sind einem vielleicht die Fachbegriffe neu, aber trotzdem urteilen wir alle in unserer Alltagssprache in solchen Kategorien. Deshalb fände ich es falsch, wenn der Eindruck entstünde, man habe nach der Lektüre des Buches völlig neue Möglichkeiten, Argumente zu beurteilen. Eine Anleitung zum Selberdenken ist das Buch auch ganz gewiss nicht, wobei Rosenberg das selbst auch gar nicht erwartet (was man auch realistischerweise von keinem Buch erwarten sollte).
Nun, ich habe es nicht bereut, das Buch gelesen zu haben, da es schon die Methode der Philosophie beleuchtet. Jedoch bleiben einige Mängel. Es soll auch noch darauf hingewiesen werden, dass sich Rosenbergs Erläuterungen allein auf die analytische Richtung in der Philosophie beziehen, und nicht repräsentativ sind für Philosophie überhaupt, an einem Kierkegaard, Heidegger oder Nietzsche etwa wären die von Rosenberg genannten Kriterien nicht anzuwenden. Rosenberg spricht immer wieder von "Regeln vernünftigen Denkens" und "Common Sense", die zur Beurteilung einer philosophischen Aussage herangezogen werden sollen, dabei geht es doch vielen Philosophen eben darum, sich von diesen zu lösen bzw. sie zu kritisieren.