Kurzbeschreibung
Nachdem Kurt Flasch eine Reihe von Monographien und Gesamtdarstellungen zur europäischen Geschichte der Ideen vorgelegt hat, beschreibt und begründet er hier seine Denkart und Arbeitsweise. Er nennt sie "historische Philosophie" und zeigt, wie sie die Trennung von philosophischer Systematik und Philosophiehistorie unterwandert und damit das Problem des "Historismus" auf neue Weise stellt.
Der Band beginnt einleitend-locker, indem er Person und Projekt vorstellt. Er geht dann über zur Theorie des historischen Wissens und untersucht Grundbegriffe wie "Epoche", "Tradition" und "Kontinuität". Flasch konfrontiert anders konzipierte Theorien - z.B. die von Luhmann und Gadamer - mit seiner eigenen historiographischen Erfahrung und gewinnt neue Einsichten in das Verhältnis von Mittelalter, Renaissance und Reformation. Das Buch wendet sich argumentierend gegen die Trennung von Wissen und Zeit und kritisiert damit Aneignungsweisen des Gewesenen, welche die Zeitdifferenz ignorieren oder zum bloß äußeren Umstand herabsetzen. Abschließend untersucht eine Reihe lebhaft-polemischer Essays die Rolle älterer Denkmotive in der Gegenwart. Sie kritisieren die laufende Enthistorisierung und Pseudohistorisierung anhand konkreter Fragen wie Krieg und Frieden, Kulturpolitik und Euthanasie.Diesem ersten Band werden zwei bis drei weitere Bände mit Studien und Kritiken von Kurt Flasch folgen. Band 2, mit Beiträgen zur Theorie der Philosophiehistorie und zur Philosophie des Mittelalters, soll im Jahr 2005 erscheinen.
Über den Autor
Kurt Flasch, geb. 1930 in Mainz, studierte Philosophie, Geschichte, Gräzistik und Germanistik in Bonn und Frankfurt, wo er 1956 promovierte und 1969 habilitierte. Von 1970 bis 1995 war er Ordinarius für Philosophie im Philosophischen Institut der Ruhr-Universität Bochum. Darüber hinaus hielt er zahlreiche Gastvorlesungen, u.a. an der Sorbonne in Paris. Kurt Flasch verfasste zahlreiche Publikationen und wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa (2000) der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und dem Hannah- Arendt-Preis (2009).