Auf 240 Seiten liefert Theo Kars fast ebenso viele Einsichten, Aphorismen, Vorlesungen, Anekdoten und Ratschläge, die sich in der Regel durch eine klare Sprache und einfache Aussagen auszeichnen.
Selbstmord beispielsweise begeht zu Recht, wer Bilanz gezogen hat und zu dem Schluss gekommen ist, dass die angenehmen Dinge des Lebens die unangenehmen nicht aufwiegen und kein Grund zu der Annahme besteht, dass sich das noch einmal ändert.
Auf dem Weg durch die Welt wichtiger Philosophen (neben den alten Griechen wie Epikur und Seneca bezieht sich der Autor vor allem auf französische Denker) lernt man den Autor kennen, der Religion als Volksverdummung ablehnt und als bekennender Hedonist Kinder als Behinderung empfindet.
Viele kluge Einsichten wechseln ab mit seltenen Eigentümlichkeiten wie die ausführliche Beschreibung der unterschiedlichen Bewertung des Seitensprungs von Mann und Frau, die bei den männlichen Lesern zu immer kräftiger werdendem begeisterten Nicken führt, während weibliche Leser zwischen Empörung und Resignation wechseln dürften: Hier liegt der Autor eigenartig quer zu seinen sonstigen Fähigkeiten.
Alle wichtigen Bereiche werden angesprochen: Liebe, Tod, Lügen, Demokratie, Unrecht eingestehen, Verliebtheit, Patriotismus, Geld und Glück, Gesetze und Drogen und die Freiheit des Individuums, Astrologie und Pessimismus.
„Eine kleine Anleitung zur Lebenskunst" ist der klug gewählte deutsche Untertitel. Im holländischen Original heißt das Buch: Praktisch verstand, Klein Handbook voor Non-Conformisten. Das trifft es etwas besser.
Aber das Buch ist nicht schlecht und guter Rat oft teurer.
Verwirrend bleiben Aufbau und Inhaltsverzeichnis. Am besten liest man sich einfach der Reihe nach durch und streicht sich auf dem Weg die wichtigen Aussagen an.