Der ist ein Philosoph. – In dieser Aussage aus seinem „Encheiridion“ zeigt sich Epiktet (50-138 n. Chr.) als stoischer Philosoph, der die philosophische Freiheit in einer Änderung der eigenen Meinung über die Dinge findet.
Epiktet hinterließ – ebenso wie sein Vorbild Sokrates - keine eigenen Schriften. Was überliefert ist, sind wörtliche Nachschriften von seinem Schüler Flavius Arrianus, die Epiktet an Schüler und Besucher seiner Philosophenschule gerichtet haben soll. Neben den nur teilweise erhaltenen „Diatribai“ ist das „Encheiridion“ (um 120 n. Chr. entstanden) das einzig voll erhaltene Werk.
Im Mittelpunkt der Philosophie Epiktets steht die Freiheit, die ihm als ehemaligen Sklaven verständlicherweise von besonderer Bedeutung war. Die im „Encheiridion“ aufgestellten Lehren befassen sich vornehmlich mit Fragen der guten Lebensführung, so dass es sich dabei um einen skizzenhaften, aber umso tiefschürfenderen „Knigge“ des 2. nachchristlichen Jahrhunderts handelt. Charakteristisch ist die persönliche Färbung der Darlegungen durch seine feste Überzeugung, tiefe Frömmigkeit und große Milde, wodurch seine Philosophie „Seele“ erhält.
Epiktets „Encheiridion“ ist interessant für alle, die sich mit der Philosophie der Stoa, der Philosophie der Freiheit, mit Ethik oder mit der philosophischen „Umwelt des Urchristentums“ beschäftigen. Abgesehen von schulischen oder akademischen Zwecken ist es aber auch heute noch für den „Hausgebrauch“ eine anregende, nachdenklich stimmende und lohnende Sammlung von alten Weisheiten für Freunde der Weisheit. Viele der stoischen Gedanken wird man heute sicherlich kritisch hören, aber manches davon veraltet nun mal nicht, solange Menschen Menschen sind. Das Hörbuch ist gut geeignet als Unterrichtsmaterial, wäre aber auch ein schönes, anspruchsvolles Geschenk.