Die hier in diesem neuen Band versammelten, zwischen 1996 und 2006 geschriebenen und zum Teil bisher unveröffentlichten Arbeiten des im Sommer 2007 verstorbenen amerikanischen Philosophen Richard Rorty bieten für genaue Kenner seiner philosophischen Arbeiten wenig Neues, wie er in seinem Vorwort einräumt.
Doch interessierte Zeitgenossen, die sich mit der Arbeit dieses nicht nur in Amerika durchaus umstrittenen Philosophen zum ersten Mal auseinandersetzen wollen, finden in diesen Aufsätzen die geeignete Lektüre und Einführung in ein Werk, das, so wage ich zu behaupten, erst in den nächsten Jahrzehnten zu seiner wirklichen Geltung kommen wird.
Denn seine politische wie seine Moralphilosophie werden auf der rechten Seite wie auf der linken Seite des Spektrums angegriffen, ein Phänomen, das seine Arbeit nur noch interessanter machen sollte. Während die Rechte ihm Relativismus und Unverantwortlichkeit vorwirft, kritisiert die Linke mangelnde Grundlagen für ein Konzept der sozialen Gerechtigkeit und eine zu starke Parteinahme von Rorty für die Außenpolitik der USA.
Seine hier vorliegenden Aufsätze charakterisiert er so:
"In vielen dieser Aufsätze geht es mir darum, dass wir relativ spezialisierte und technische Auseinandersetzungen zwischen modernen Philosophen im Lichte unserer Hoffnungen und kulturellen Wandel betrachten sollten. Die Philosophen sollten bei diesen Auseinandersetzungen Partei ergreifen und im Auge behalten, wie sich der Gang des Gesprächs verändern lässt. Sie sollten sich fragen, ob die Entscheidung für diese oder jene Seite Auswirkungen hat auf soziale Hoffnungen, Handlungspläne und Prophezeiungen einer besseren Zukunft. Ist das nicht der Fall, lohnt sich die Entscheidung vielleicht gar nicht."
Man versteht, warum ihm viele die Relativierung und damit die Aufweichung des Wahrheitsbegriffes vorgeworfen haben.
Er hofft, dass seine Leser nach der Lektüre den Pragmatismus, den er von William James und John Dewey übernommen hat, in einem günstigeren Licht betrachten und sagt:
"In einem überschwänglichen Moment verglich James das Potential des Pragmatismus zur Herbeiführung radikaler kultureller Veränderungen mit den Chancen der protestantischen Reformation. Gerne würde ich meine Leser davon überzeugen, dass dieser Vergleich nicht so abwegig ist, wie er vielleicht zu sein scheint."
Eine gute Einführung in das Werk eines Philosophen, der sich wie hierzulande vielleicht nur Jürgen Habermas mit den Fragen von Religion und Moralphilosophie, analytischer Philosophie und Pragmatismus auseinandergesetzt hat, und dessen Ansatz sich auch für Theologen lohnt, weiterverfolgt zu werden.