In diesem Buch schälen sich zwei Grundaussagen heraus:
1. Willensfreiheit und Bewusstsein können nicht naturwissenschaftlich vollständig erklärt/wegerklärt werden.
2. Die Philosophie kann über die Metaphysik von WF/BW nichts aussagen, sondern ihr Beitrag muss es sein, die Neurowissenschaften in die Grenzen des Sinns zu weisen, die zum Beispiel dann durchbrochen werden, wenn man sagt "Das Gehirn entscheidet". Diese Aussage ist nicht empirisch wahr oder falsch, sie ist sinnlos, denn das Prädikat "entscheiden" kann nur auf Lebewesen angewandt werden, die Empfindungen haben.
Hierbei wird deutlich, dass die "subjektivistische" Sicht auf den Menschen, die Gründe und Empfindungen einbezieht absolut ihre Daseinsberechtigung hat und keineswegs auf die "objektivistische" reduziert werden kann. Jedoch muss zuvor bereits klar sein, dass Fragen wie "Ist der Geist eine Substanz?" oder "Ist Geist auf Gehirn reduzierbar" völlig verfehlt sind, da der Substanzbegriff ein überladenes Relikt ist und man nicht von "dem Geist" sprechen sollte. In Wahrheit lässt sich kein einziger Satz finden, der mit "Der Geist" beginnt, da in unserer normalen Wahrnehmung einfach nur Körper und Personen vorkommen. Hierbei lässt sich "Ich wiege 80 Kilo" natürlich auf "Mein Körper wiegt 80 Kilo" zurückführen, "Ich will ein Buch lesen" aber weder auf "Mein Körper will ein Buch lesen" noch auf "Mein Geist will ein Buch lesen". Stattdessen sollten wir davon sprechen, dass es sich auf bestimmte Weise anfühlt, wenn unser körperlicher Zustand so-und-so ist, und dass die Frage, warum es sich auf irgendeiner Weise anfühlt, nicht beantwortbar ist. Die Angst des ersten Rezensenten, die Philosophen würden hier den Neurowissenschaftlern ins Handwerk pfuschen oder sie der Dummheit bezichtigen(wobei er überseht, dass Bennett selbst Neurowissenschaftler ist), ist unberechtigt. Die Autoren sind sich fast alle bewusst, dass der Mensch ein Naturwesen ist und wir keine ontologischen Dualisten jeglicher Art sein sollten. Stattdessen verbirgt sich hinter diesem Buch die Wittgensteinianische Einsicht, dass unsere Begrifflichkeit und unsere Erkenntnisperspektive uns nicht ebensowenig zum Dualismus führen darf wie unser (eigentlich wohlbegründeter) Glaube an die Wissenschaften zu einem primitiven Reduktionismus. Wir müssen den Perspektivenpluralismus wahren und einsehen, dass die Welt nicht über logische Strukturen verfügt, weder aus einer noch aus zwei Arten von Dingen-an-sich besteht, sondern dass wir die Kategorien bilden. Das Buch ist also auch ein wundervolles Plädoyer für das Ende der spekulativen Metaphysik, die die Physik ebenso durchdringt wie die neueste Philosophie.