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Der österreichische Philosoph
Paul Feyerabend (1924-1994) wurde bekannt als radikaler Wissenschaftskritiker, der sich gegen den Objektivismus seines ehemaligen Lehrers Karl Popper wandte. Er, der selbst Mathematik und Physik studiert hatte, sprach den modernen Wissenschaften jedes Recht auf die Postulierung einer objektiven Wahrheit ab. In seinem Werk
Against Method (1974) zeigte er die Fragwürdigkeit und Angreifbarkeit wissenschaftlicher Methoden auf. Er wollte hingegen auch althergebrachte Praktiken wie Orakel oder traditionelle Heilmethoden als gleichberechtigte Wege zu Erkenntnissen über die Welt zulassen.
Ein knappes Jahr vor dessen Tod traf sich der renommierte Autor Rüdiger Safranski mit Paul Feyerabend zu einem philosophischen Gespräch in Rom. So kommt natürlich auch hier Feyerabends bekannte, kritische Haltung gegenüber den Wissenschaften zur Sprache, denen er vorwirft, ohne Rücksicht auf eventuelle gesellschaftliche Folgen nach Wissen zu streben. Er gibt offen zu, dass er sich nach den alten Zeiten zurücksehnt, als die Natur noch vom Göttlichen durchdrungen schien und die Umwelt noch nicht völlig zum seelenlosen Objekt degradiert war. Dem Glauben steht der frühere radikale Atheist jetzt auch wesentlich toleranter gegenüber. Er meint, der Mensch brauche im Leben einen Halt, warum sollte er den nicht auch im Glauben finden?
Weitere Themen sind Aufklärung und Unmündigkeit, Tierversuche, die Vernunft, sowie die Frage, ob Philosophie Lebenshilfe leisten könne. Immer spricht sich Feyerabend dafür aus, seinen eigenen Verstand einzusetzen, nicht blind irgendwelchen Ideologien und Dogmen zu vertrauen, seien diese nun von religiösen Lehrern, Ärzten oder Wissenschaftlern postuliert. Erfrischend undogmatisch sind seine Auffassungen, die er mit trockenem Humor zu würzen versteht. Sicher erscheint der ehemals radikale Kritiker hier auch ein wenig altersweise, aber eben vor allem von tiefer Humanität durchdrungen.
Das Gespräch findet in frühlingshafter Atmosphäre auf einer Café-Terrasse statt, die einzelnen Gesprächsabschnitte werden zum Atemholen und Nachdenken unterbrochen von Ausblicken auf römische Alltagsszenen. Für Zuschauer, denen Feyerabend keinerlei Begriff ist, werden die in rascher Folge vorgetragenen Gedanken dennoch eher schwer verständlich bleiben, ansonsten ist der Film ein sehenswertes Dokument eines eindrucksvollen Denkers des 20. Jahrhunderts. --Elke Wolter
Video Jakob Kurzinhalt
Paul Feyerabend (1924-1994) gilt als Enfant terrible der philosophischen Szene. Sein Slogan "Anything goes" hat ihn - troz oder vielleicht gerade wegen einer Reihe von Missverständnissen - berühmt gemacht. Feyerabend hat sich nie einer philosophischen Schule angeschlossen, auch nicht der von Karl Popper, aus der seine eigene kritische Denkweise hervorgegangen ist. Im Gespräch mit Rüdiger Safranski entwickelt Feyerabend seine Gedanken zu Religion, Wissenschaft und Erziehung sowie zur häufig diagnostizierten Sinnkrise. Er verteidigt die alltägliche Vernunft gegen ihre Erstarrung in Doktrinen und Ideologien. Als intimer Kenner nicht nur des philosophischen, sondern auch des naturwissenschaftlichen Betriebs ermuntert er zum Misstrauen gegen jede Herrschaft von Experten.
Kurzbeschreibung
Paul Feyerabend (1924-1994) gilt als Enfant Terrible der philosophischen Szene. Sein Slogan "Anything goes" hat ihn - trotz oder vielleicht gerade wegen einer Reihe von Missverständnissen - berühmt gemacht. Feyerabend hat sich nie einer philosophischen Schule angeschlossen, auch nicht der von Karl Popper, aus der seine eigene kritische Denkweise hervorgegangen ist. Im Gespräch mit Rüdiger Safranski entwickelt Feyerabend seine Gedanken zu Religion, Wissenschaft und Erziehung sowie zur häufig diagnostizierten Sinnkrise. Er verteidigt die alltägliche Vernunft gegen ihre Erstarrung in Doktrinen und Ideologien. Als intimer Kenner nicht nur des philosophischen, sondern auch des naturwissenschaftlichen Betriebs ermuntert er zum Misstrauen gegen jede Herrschaft von Experten.