"Jeder ist seines Glückes Schmied", sagt ein altes Sprichwort. Doch was ist Glück und mit welcher Dauer ist es, wenn überhaupt, ein Recht? Jedenfalls gibt es Fragen, an die sich LM von der einen Seite, nämlich dem Glück selbst und von der anderen, des Nicht Un-Glücks bravourös herantastet. Nicht das man glaubt, einmal im Glück zu leben sei die Miete für den Rest eines glücklichen Lebens. Das Recht, scheinbar gepachtet aus dem Bund mit Gott, dauerhaft glücklich sein zu können, wird mit Hiobs Botschaften widerlegt. Ganz anders verhält es sich bei einem schönen deutschen Märchen, wo Hans einen Goldklumpen als zu schwer empfindet und gegen ein Pferd tauscht, das Pferd dann gegen ..... etc und am Ende sein letztes Tauschobjekt verliert und sich dennoch überaus glücklich schätzt. Hans hat gelernt, dass es Glück und Unglück gibt, da er ja zwischendurch immer wieder unzufrieden war mit seinem Besitz, aber er begriff auch, das am Ende nicht von den äußeren Dingen Glück beschert wird, sondern, dass das Glück in einem selbst ist.
Dieses wusste schon zwei Jahrtausende zuvor Epikur, der mit seinem Namen das Glück schlechthin umwoben hat. Aus dieser griechischen Schule sind die Ansichten zum Glück in die Welt getragen, im frühen Rom von Lukrez, Epiktet (vgl. Vom geglückten Leben) und Seneca (Das wahre Glück hängt nur von der Beschaffenheit unseres Inneren ab) weiterverbreitet, in den christlichen Zusammenhang über Augustinus eingeführt und in den Schriften Koholets (Salomon) ebenso verankert. Die Seite des Nicht-Unglücks vertritt eher ein Schopenhauer (Glück ist immer nur negativ), Nietzsche und Marx (obwohl er Epikur als Thema einer Arbeit wählte). Kant möchte Glück ganz vertilgen zu Gunsten seiner Moral, kommt aber aus Vernunftgründen nicht umhin, dem Glück seine Stellung zuzuordnen.
Auch wenn glücklich zu leben der Wunsch aller Menschen ist, ist doch mancher Wunsch nicht zu erfüllen. LM führt den Fuchs im Unglück ein, der einer Fabel von Äsop entnommen, den Wunsch zunichte macht durch Umdeutung (reframing). Die Vorstellung süßer Kirschen wird rational negiert: Sind sowieso sauer. Und so verhilft er sich zum Nicht - Unglück.
Insgesamt hat LM mit Umsicht, fundierten historischen, philosophischen Kenntnissen und Zusammenhängen an das Glück, das Verständnis von Glück herangeführt. Epikur ist sein bester Ratgeber, da seine Aussagen sich deutend widerspiegeln in den Ansichten späterer Philosophen (s. o.), Sozialisten (Owen) oder Schriftsteller (Tolstoi). Dieses überaus lesenwerte Buch ist damit eine Empfehlung.
Glück kommt nicht schnell, es braucht auch Geduld, oder um mit Epikur zu sagen: "Beides ist für eine innere Ausgeglichenheit schädlich: Wenn man nichts anderes machen kann und wenn man bei nichts durchhalten kann." Für ein glückliches und ausgefülltes Leben ist das Alter jedoch kein Beweismittel.
Literaturempfehlung zum Thema:
Epikur: Von der Überwindung des Angst, Philosophie der Freude
Plutarch: Die Kunst zu leben, Moralia
Epiktet: Vom geglückten Leben
Russell: Die Eroberung des Glücks
Alain: Die Pflicht, glücklich zu sein
Camus: Der glückliche Tod