Röd bemüht sich in seinem Werk um eine Gesamtschau des (westlichen) Philosophierens, das auch Nichtfachleuten diese Schau ermöglicht. Röd will das Denken nicht nur in kulturelle, soziologische und andere Zusammenhänge stellen und es so verstehbar machen: er nimmt das Denken selbst ernst und möchte so zu den Problemen, zu ihren Voraussetzungen vordringen und nicht zuletzt zu den Lösungen Stellung beziehen!
Liest/durchblättert man Bücher über Philosophie, hat man oft den Eindruck, als würde nur Bildungswissen vor dem Leser ausgebreitet. Zumeist wird den Trägern und Schöpfern von philosophischen Gedanken größeres Gewicht beigemessen als den Gedanken selbst. Nicht so bei Röd!
Der Aufbau des Buches ist dabei durchaus „traditionell": so startet Band I nach einleitenden Vorbemerkungen mit den Vorsokratikern, dann kommt Plato, dessen vielschichtigem Denken (zu Recht!) breiter Raum gegeben wird. Auch Aristoteles wird viel Platz eingeräumt.... Fehlt etwas? Kaum. Besonders gut gelungen finde ich übrigens die Darstellung des Übergangs von (spät)antikem Denken in die Philosophie des Mittelalters. Erfreulich ist auch, dass nicht nur „Klassiker" des philosophischen Denkens, sondern auch Gestalten wie beispielsweise Paracelsus, Jakob Böhme, Macchiavelli und Kepler Behandlung finden, - nicht als große Philosophen, aber als Menschen, die mittelbar auch auf das philosophische Denken großen Einfluss ausgeübt haben. Schon Kapitelüberschriften wie „von der spekulativen Naturphilosophie zur empirischen Naturwissenschaft" oder „Auffassungen von Recht und Staat an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit" machen einfach Lust auf das Lesen!
Vielleicht die größte Stärke dieser Philosophiegeschichte ist es, dass gezeigt wird, warum ein Denker auf einen bestimmten Gedanken eigentlich gekommen ist, warum dieser so wichtig war und welches Problem damit eigentlich gelöst werden soll. Röd vergisst auch nie darauf, das geistige Umfeld des Philosophierens zu beleuchten. (Legte er nöch größeren Wert darauf, wäre das Werk wohl noch besser geworden.)
Röd schreibt in einer Weise, die es einem leicht macht, als Nichtfachmann in philosophische Probleme einzudringen, die die Menschen zu verschiedenen Zeiten bewegt haben. Indem er auf Probleme einzelner philosophischer Erklärungsversuche (und darauf, was gerade nicht hinterfragt wurde) hinweist, zeigt sich die Zeitgebundenheit des Denkens zu allen Zeiten und man fragt sich, welche Fehler zukünftige Generationen in gängigen Anschauungen unserer Zeit einmal entdecken werden...
Mein Resümee: 500 Seiten gut lesbare Geschichte der Philosophie - zum Schmökern, Durchlesen oder Nachschlagen und das für ¤12,50. Nie ist es langweilig, oft auch fesselnd zu lesen und jedenfalls besser als mir bekannte vergleichbare Darstellungen!