Eines jener Werke, das aufgrund des profunden Wissens seines Autors und der Klarheit der Darbietung sehr schnell zu den begehrtesten Büchern über das weite Feld der Philosophie avancieren könnte. Man sollte es ihm wünschen. Im Grunde gehören zwar Aufbereitung, Gliederung und Themenabriß zur Kategorie der Kompendien - würde der Verfasser nicht auf den guten Kunstgriff verfallen sein, den geschichtshistorischen wie politisch-sozialen Hintergrund, vor dem Ideen und Gedanken erwuchsen, in das großartige Szenario der Urheber von Gedanken und Ideen einzubetten. Daraus erwuchs mehr als ein Kompendium - es entstand ein Kulturfahrplan der Philosophie, der einen Sog des Wissenwollens erzeugt, dem sich der Leser, so er für und nicht von der Philosophie lebt, kaum wird entziehen können. Es ist die Macht des Geistes, die aus diesem Buch spricht und jenen Sog des nicht ermüdenden Verlangens entfesselt, sich immer mehr und immer weiter in den Gedankengebäuden der Philosophen fortzubewegen, um so viel wie möglich von den Details ihrer Konstruktion aufzunehmen. Solcherart wird der Leser den Inhalt des Buches empfinden: als manifesten Exkurs, als beflügelnden Stimulus, als urpersönliches Vademecum, das ihn fortträgt in Sphären, von denen er wußte, daß es sie gibt, deren Existenz er jedoch eher in hermetischen Zirkeln und Salons vermutete und nicht zwischen zwei Buchdeckeln in einer Sprache, deren Schlichtheit ebenso beeindruckt wie das Wissen, das diese Sprache transportiert. Das alles überließ der Autor nicht dem Zufall, sondern gebar es als Ausdruck seiner großen Wertschätzung gegenüber denen, die ihre Gedanken und Postulate weder euphemisierten noch milieurisierten - die unrühmliche Ausnahme dürfte wohl Heideggers Seinsphilosophie vom 'Geworfensein' bilden -, sondern sie in Worte kleideten, die ihren Weg zum Leser fanden und deren oftmals bohrende Nachfragen stets eine erschöpfende Beantwortung erfuhren. Und so mag der Leser das knapp 600 Seiten umfassende Werk von Jesaja bis Sloterdijk in diesem Sinne studieren und am Schluß eines feststellen - daß er tatsächlich begriffen hat, worum es der Philosophie in toto, den Philosophen in nuce geht, nämlich darum, sich von der Welt nicht dumm machen zu lassen. So immerhin lautete Schopenhauers einfaches Credo. Leben und Werk findet der interessierte Leser auf den Seiten 287 bis 293 dargestellt, und er wird ihm uneingeschränkt zustimmen wollen.