In seinem dritten Roman beschränkt sich Klaus Hoffmann im Wesentlichen auf die Kraft und Wucht seiner Gedanken, die den Leser unmittelbar erfassen und Sorgen und Zweifel, Hoffnung und Zuversicht und natürlich immer wieder diese unbestimmte Sehnsucht mit dem Autor teilen lassen. Nicht nur die des Autors, er weckt die eigenen Empfindungen. Diese Kunst beherrscht er, wie kaum ein anderer, ob in Liedern oder im Roman.
Die Handlung ist diesmal sehr simpel. Während Hoffmann in seinem Debüt-Roman "Afghana" die abenteuerliche Reise des blutjungen Paul Lachmann um die halbe Welt beschreibt, um zum Hippie-Mekka Goa zu gelangen und im zweiten Buch "Der Mann der fliegen wollte" Raphael Engelmann seine halbe Lebensgeschichte erzählen ließ, ist es diesmal Phillip Kaufmann, der sich auf der Zielgeraden zu seinem 60. Geburtstag aus seinem Alltag ausklinkt, um auf Sylt zu kuren und seinen Gedanken nachzuhängen, zu reflektieren, der einfach nicht fassen kann, daß der Junge, das ewige Kind, nun sechzig Jahre alt wird - einfach alt wird. Das Begreifen der Endlichkeit, der Sterblichkeit rüttelt an ihm. Und dieses Sinnieren über das Dasein, über das möglicherweise Versäumte, über das Kommende ist einfach großartig, einfach Hoffmann, da braucht es nicht viel mehr Handlung als immer wiederkehrende einsame Spaziergänge, Rad- und Autofahrten auf Sylt.
Und er wäre nicht er, wenn man nicht an einigen Stellen auch lauthals lachen könnte. Dieser blitzschnelle Schwenk von Melancholie zur kindlichen Heiterkeit und wieder zurück - das kann nur Klaus Hoffmann, auf Bühnen tausendmal erlebt und doch immer überraschend. Die Namensähnlichkeit zwischen Romanhelden und Autor (Lachmann/Engelmann/Kaufmann/Hoffmann) ist nicht zufällig. Wo Biographisches endet, wo Fiktion anfängt, weiß wohl nur Hoffmann selbst. Der Qualität schadet dies nicht im geringsten. Ihn zu lesen ist für jeden der diese besondere Emotionalität mag ein Vergnügen.