Für den gebürtigen Dortmunder Phillip Boa haben Genres nie eine große Rolle gespielt. Mit großem Geschick hat er aus Punk Rock, New Wave und Pop immer wieder melodische Gesamtkunstwerke geschaffen. Beeinflusst von den Sex Pistols oder The Clash, mischte Boa das Pop-Establishment in Deutschland auf. Mitte der achtziger Jahre gründete Phillip Boa zusammen mit Sängerin Pia Lund den Voodooclub. Phillip Boa galt lange – neben den Einstürzenden Neubauten – als einziger international anerkannter Act der deutschen Indie-Szene.
Für das aktuelle, von der Kritik gefeierte Album Diamonds Fall (2009) engagierte die musikalisch ausgereifte Diva Phillip Boa die Can-Legende Jaki Liebezeit für die kompletten Drums und Percussion als Voodooclub Mitglied. Diamonds Fall führt heute das fort, was der Voodooclub einst mit diversen Singles Of The Week Auszeichnungen in der britischen Musikpresse begonnen und schließlich weltweit mit seiner Arbeit auf dem Vorgänger Faking To Blend In bis zur Quasi-Perfektion ausgebaut hatte: Großer, bildgewaltiger und lautmalerischer Breitband-Pop; immer ein wenig verschroben, mit liebenswertem Hang zur Marotte. Und doch ganz anders, irgendwie ...
Der einerseits unbequeme, andererseits begnadete Künstlers und Songwriter Phillip Boa schaffte es Musik zu schreiben, wie es sie in dieser Form vorher in Deutschland noch nicht gegeben hatte. Seine Musik wurde vom Melody Maker als "bohrende Mischungen afrikanischer Rhythmen, verzerrter Gitarren und antwortendem Nichtgesang" beschrieben. Die ersten Alben mit dem Voodooclub erschienen auf dem bandeigenen Constrictor Label bevor Boa bei Polydor/Universal (1987) unter Vertrag ging. Mit dem Album Hair (1989) und der Single Container Love gelang der kommerzielle Erfolg und internationale Anerkennung. Die Musik Boas ist seit jeher beeinflusst von britischem Punk und New Wave, sie pendelt stilistisch zwischen Pop und Avantgarde. Durchgehendes Merkmal sind eingängige melodische Refrains, die von Stimmungswechseln durchbrochen oder verfremdet werden. Dabei stehen sich der hohe Gesang von Sängerin Pia Lund und die belegte Stimme Boas diametral gegenüber. Noch heute sind Phillip Boa and the Voodooclub die deutsche Band mit den meisten Album und Single Of The Week Platzierungen in britischen Musikzeitschriften wie New Musical Express, Melody Maker oder Sounds.
Nach seinem bisher erfolgreichsten Album Boaphenia (1993) setzte Boa einen bewussten Bruch, um sich dem Metalprojekt Voodoocult zu widmen. Nach einem Soloalbum (Lord Garbage) Ende der neunziger Jahre reaktivierte Boa wieder den Voodooclub und veröffentlichte Alben u. a. für RCA, BMG Sony und Motor Music. Für das aktuelle Werk Diamonds Fall kehrte Boa endgültig wieder zu seinen Wurzeln zurück und nutzt wieder das bandeigene Label Constrictor.
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