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Ausgepackt: ein Satz Batterien und ein USB-Kabel dabei. Als "Anleitung" nur ein englischsprachiger Handzettel - bisschen arg mager.
Erster Eindruck: Ansprechendes, "wertiges" Gehäuse, liegt gut (wenn auch nicht ganz leicht) in der Hand, Tastenfeld übersichtlich, Tasten selber mit angenehmem Druckpunkt. Der schwarze Klavierlack sieht edel aus - aber leider nur, solange man die Tastatur nicht benützt hat, denn dann sieht man überall die Fingerabdrücke darauf. Display und Tasten sind hinterleuchtet (Beleuchtungsstärke und -Dauer einstellbar), die Schrift auf dem SW-Display ist arg klein.
Ohne Computer geht gar nichts: also die im Handzettel angegebene Website angesurft, Programm heruntergeladen, installiert und gestartet - wer sich mit seinem Computer auch nur halbwegs auskennt, für den ist das keine Hürde. Gerät über USB angeschlossen, es wird sofort erkannt und auch gleich automatisch die Firmware auf neuesten Stand gebracht. Das nach Anschluss der Fernbedienung automatisch gestartete Programm enthält ausführliche Hilfen; es ist aber so gut gestaltet, dass man sich auch nahezu ohne Anleitung zurecht findet. So weit also ein sehr guter Eindruck.
Erster, konkreter Schritt: Geräte herunterladen. Man gibt die Art des zu steuernden Geräts an, den Hersteller und - optional - die genaue Typbezeichnung. Dann wird man aufgefordert, die Originalfernbedienung vor dem Sensor des Philips zu plazieren und die Powertaste zu drücken. Mit etwas Glück meldet dann das Programm, dass es das Gerät gefunden hat, und lädt die Codes in die Universalfernbedienung. Das war aber leider die erste, schwere Enttäuschung. Von meinen 6 zu steuernden Geräten erkannte das Programm gerade mal zwei: den (neuen) Panasonic-Fernseher und den (alten) Kenwood-Audioreceiver. Dass der in Deutschland kaum gebräuchliche Billig-DVD-Recorder von Daewoo und der (alte und seltene) CD-Recorder von Sony nicht erkannt wurden, mag noch als lässliche Sünde durchgehen. Dass aber gleich zwei Geräte der eigenen Marke - ein digitaler Kopfhörerverstärker und sogar ein gängiger, 1 Jahr alter Blueray-Player (BDP 5100-12) trotz vielfacher Versuche nicht erkannt wurden, ist schon eine heftige Blamage für die Firma Philips! Eine parallel dazu getestete, deutlich billigere Fernbedienung von Logitech (Harmony 300) erkannte auf Anhieb alle 6 Geräte...
Aber das ist noch kein Grund, gleich aufzugeben: man kann alternativ die Tasten einzeln kopieren, das funktioniert mit dem Programm relativ flott und flexibel. Man muss nur auch gleich bei dieser ersten Einrichtung die Funktionen, die man im Display haben will, dort hin kopieren - später über "Tastenreparatur" geht das nicht mehr, dazu muss man dieses Gerät komplett löschen und neu programmieren, wonach aber wiederum die gewünschte (nachträglich nicht änderbare) Reihenfolge der Geräte und "Activities" nicht mehr stimmt. Ein einziger Unterlassungsfehler bei diesem Arbeitsgang bedingt also de facto, dass man nochmal komplett von vorne anfangen muss: eine Usability zum Gruseln. Und schade ist die mangelhafte Geräteerkennung auch noch aus einem anderen Grund: soweit sie funktioniert, stellt sie teilweise auch praktische Funktionen zur Verfügung, die auf der Originalfernbedienung fehlen - bei meinem Fernseher z.B. die Direktwahl des Eingangs mit einzelnen Tasten. Ohne Geräte-Erkennung fehlen diese Funktionen.
Was die Philips erst mal gelernt hat, kann sie gut: alle gelernten Tasten funktionierten auf Anhieb, es gab weder Doppelauslösungen noch hängenbleibende Lautstärkeregelungen, wie man sie bei anderen Fabrikaten leider häufig erlebt. Ähnlich perfekt in den Einzelfunktionen war von meinen bisher probierten Universalfernbedienungen nur die Logitech 300.
Die Brauchbarkeit einer Universalfernbedienung entscheidet sich aber erst daran, dass sie - optimal programmiert - praktischer ist als die Summe der Original-Fernbedienungen. Das heisst: das Tastenfeld muss so gestaltet sein, dass man die einzelnen Funktionen problemlos findet und nicht ständig umschalten muss. Soweit man umschalten muss, sollte das gezielt mit einem einzigen Tastendruck möglich sein - nur dann ist es einfacher als der Griff zu einer anderen Originalfernbedienung.
Mit einer bloßen Umschaltung der Geräte ist letztere Voraussetzung bei der Philips leider nicht gegeben: nach einer konkreten Einzelaktion plus Wartepause muss man erst einmal durch einen Tastendruck das Display einschalten, dann (u.U. sogar mehrfach) die "Back"-Taste drücken, dann ggf. zwischen "Geräte" und "Activities" wählen. Jetzt endlich kann man das anzusteuernde Gerät wählen, sofern es denn auf dem Display sichtbar ist - sonst muss man vorher auch noch scrollen. So umständlich, wie sich das liest, ist es auch, zumal das Display mit seiner kleinen Schrift und schummrigen Beleuchtung auch noch schlecht lesbar ist. Wer auf diese Weise versucht, die Philips ihrem Zweck entsprechend zu gebrauchen, ist unmittelbar versucht, das Ding verärgert gegen die Wand zu feuern und wieder die Original-Fernbedienungen zu verwenden.
Aber es gibt da ja auch noch die "Activities": im Grunde nichts anderes als Tastenmakros, die man speziell zu Einschaltsequenzen für Funktionen wie "Fernsehen", "Musik hören" oder "Film anschauen" programmieren kann. In der Theorie klingt das gut - und in der Praxis habe ich es auch nach 5 Stunden Frickelei so weit gebracht, dass wenigstens vier von meinen 6 Geräten halbwegs komplett bedient werden konnten, ohne den Bereich der "Activities" zu verlassen. Das war dann schon näher an einer praxisgerechten Usability - aber leider immer noch weit entfernt von einem wirklich praktischen Ersatz der Original-Fernbedienungen. Da die Philips (Originalton Einstellungshilfe) "davon ausgeht, dass vor Beginn einer Activity alle Geräte ausgeschaltet sind", bedeutet ein Wechsel in eine andere "Activity" immer erst das Ausschalten der gesamten Anlage - und dann erneutes, programmiertes Einschalten und Einstellen aller benötigten Komponenten durch die gewählte "Activity". Selbst dieses bescheidene Ergebnis ist alles andere als trivial zu programmieren, wenn es halbwegs anständig funktionieren soll: man muss dazu mit den "erweiterten Einstellungen", mit denen sich die Makros komplett gestalten lassen, Reihenfolge und zeitliche Abfolge der Einzelbefehle sorgfältig abstimmen; mit dem dafür auch angebotenen, einfacher zu bedienenden Wizard kommt man nicht weit. Etliche Male habe ich bei diesen Arbeiten über die Abhängigkeit vom Computer geflucht: für jede der zig Funktionsprüfungen und anschließenden Änderungen wieder vom Arbeitszimmer ins Wohnzimmer, vom Wohnzimmer ins Arbeitszimmer...
An diesem Punkt habe ich schließlich aufgegeben und mich endgültig für die Logitech Harmony 300 entschieden (jawohl, mit der kann ich durchaus - und sogar sehr gut - meine 6 Geräte plus Reserve steuern, obwohl sie offiziell für nur vier Geräte ausgelegt ist! Siehe mein Bericht darüber, den ich in den nächsten Tagen noch schreiben werde). Ein zusätzliches Programmieren von Wechsel-Activities - an was man noch denken könnte - erschien mir nach den gemachten Erfahrungen wenig erfolgversprechend und allemal zu mühsam schon bei der Programmierung.
Bleiben also als Fazit nur noch zwei klägliche Punkte: denn was nützt eine hübsche Form, gute Gehäusequalität und eine gute Ausstattung (Display, Makros, PC-Programmierung...), wenn die mangelhafte Funktionalität des Ergebnisses den Sinn einer Universal-Fernbedienung komplett in Frage stellt? Da hilft auch der relativ sehr günstige Preis nicht mehr aus der Patsche: selbst bei sorgfältigster (und entsprechend sehr aufwendiger) Programmierung ist die Philips leider schlechter als die Summe der Originalfernbedienungen, die sie ersetzen soll - und somit eine klassische Fehlinvestition.