Hallo,
ich vergleiche den SHL5800 mal mit dem SHO9560 Stretch O#Neill aus gleichem Hause, beide Hörer konnte ich gestern ausführlichst testen, nebeneinander an einer Yamaha Oberklasse-Anlage (SACD + Amp für 2000 Euro) und gleichzeitig mit meinen Referenzhörern vergleichen.
Fazit vorne weg: Gegenüber dem SHO9560 hat der SHL5800 deutlich das Nachsehen im Klang - auch wenn von der Papierlage her (vgl. die technischen Daten) die Hörer sehr ähnlich zu sein scheinen. Dem ist eben nicht so.
Tragekomfort:
Recht ähnlich sind sich die Hörer im Tragekomfort. Die Ohrmuscheln sind in gleich groß, die Polster sind gleich dick und dennoch kommt mir es bei diesem Hörer so vor, als ginge es etwas enger zu runfd um die Lauscher. Wer große Ohren hat sollte bei diesen Hörern eh vorsichtig sein. Vorteil ist aber bei beiden, dass die Hörer eher kompakt sind. Im Detail zeigt hier aber der Stretch einen Nachteil, da sich das Bügelband ab und an nachstellt und der Hörer hier ab und an etwas knarzt. Der SHL5800 hat einen arretierbaren Bügel, der sehr gut rastet. Der Anpressdruck ist auf einem schmalen Kopf wie meinem sehr angenehm.
Abschirmung:
Auch hier sind beide Konzepte gleich: Beides sind sog. geschlossene Hörer; sie schrimen die Aussengeräusche sehr gut ab oder anders rum: Der Nachbar im Zug bekommt wenig oder gar nix von der Musik mit, die man gerade hört.
Verarbeitung:
Hier gebe ich dem SHL5800 den Vorzug. Beide Hörer sind ganz bestimmt nicht schlecht, alles ist wirklich sauber verarbeitet. Der SHL5800 hat aber einen Metallbügel an den Seiten, an dem die Hörermuscheln angebracht sind. Es sind hochwertige Teile, sehr sauber verarbeitet, was eine höhere Wertigkeit vermittelt. Das Kunstlederbügelpolster ist sauber angebracht, keine Falten etc.
Klang:
Hier hat der 5800er deutlich das Nachsehen - meiner Meinung nach. Klingt der Stretch hier deutlich räumlicher und eher frischer, wummert der 5800er im Keller zu viel des Guten. Stimmen klingen aufgedunsen, besonders die weiblichen. Die Erklärung ist schnell gefunden: Selbst der Stretch hat im Vergleich zu einem Referenzhörer a la AKG K702 eigentlich schon zu viel Bass und damit eine eher moderne Abstimmung. Das geht in Ordnung - nichts dagegen, wenn Musik - sagen wir es mal positiv - ein ordentliches Fundament hat. Der 5800er übertreibt hier und bekommt nun den unteren Grundtonbereich nicht in den Griff. Er ist eben auch überbetont, was diesen aufgedunsenen Klangbrei ergibt. Die Dominanz in diesem Frequenzbereich überlagert alles andere, eine schmale räumliche Abbildung ist die Folge. Manche mögen sagen, er klingt dumpf - damit fehlt die Frische, die Spritzigkeit und die Durchzeichnung in den obersten Lagen. Auch hier ist der Stretch noch wahrlich kein Meister, das geht aber für die Preisklasse noch in Ordnung. Für mich kommt mit so einer Klangabstimmung keine Freude auf. Mit fehlt die leichte Härte der Stahlsaiten eines Banjos oder einer guten Westerngitarre, ebenso kommt der leicht blecherne Klang eines Dobros viel zu weich am Trommelfell an. Das mag also wirklich nur für denjenigen passen, dem jede Härte in der Musikwiedergabe zu viel des Guten ist.
Mobiltauglichkeit:
Beide Hörer sind typische Vertreter für mobile Geräte. Beide gehen ausreichend laut, beide haben einen hohen Wirkungsgrad. Dennoch: Der 5800er geht lauter, wegen des starken Bassbereichs. Wer also mobile Geräte hat, die durch die Lautstärkebegrenzung ein wenig leise daher kommen und ggf. alte CDs mit geringem Durchschnittspegel in MP3 o.ä. umwandelt, für den wäre sicherlich der 5800er die bessere Wahl. Bass reindrehen braucht man mit dem 5800er sicherlich nicht mehr, das spart bei mobilen Geräten bekanntlich Energie, der Akku hält länger durch.
sonstiges:
Der 5800er ist beidseitig verkabelt, der Stretch einseitig. Ich bevorzuge die einseitige Lösung (ist aber Geschmackssache), erst recht wie beim Stretch, da dessen Kabel eigentlich ein Schnürsenkel eines Wanderschuhs ist. Damit ist es sehr leicht. Die Lösung beim 5800er ist ein flaches Kautschukband, ebenfalls leicht, in dem die Verkabelung eingearbeitet ist. Beide Lösungen halten, was Philips verspricht: Das Kabel verdrallert sich nicht so leicht wie bei herkömmlichen Lösungen. Kabeldiskussionen, was den Klang angeht, verkneife ich mir hier. Es läßt sich eh nicht vergleichen, da beim 5800er das Kabel fest an den Hörermuscheln verdrahtet ist. Also aufpassen, nicht das es versehentlich reißt, wenn man sich z.B. nach vorne beugt, dann auf dem Kabel sitzt und versehentlich ruckartig nach oben geht. Beim 9560er würde sich das Kabel am kurzen Endstück ausklinken - immer eine gute Lösung. Damit ist der 9560er insoweit flexibler, da sich sowohl am kurzen Ende an der Hörermuschel wie auch am normalen Ende eine herkömmliche Verlängerung mit 3,5mm Klinke/Buchse anstecken läßt. Der 5800er hat zudem einen äußerst praxistauglichen Stecker: Vollmetall und sehr griffig. Noch ein Vorteil des 5800er: tippen Sie mal mit dem Fingernagel an der Hörermuschel oder am Bügel des jeweiligen Hörers. Hier kommt beim 5800er deutlich weniger Störgeräusch am Trommelfell an wie beim überaus schlecht bedämpften Stretch. Sicherlich - alles Details, die aber den ein oder anderen schon mal Freude machen bzw. den Nutzer ärgern können.
Insgesamt erreicht der 5800er damit gerade noch 3 Sterne von mir. Sehr gut verarbeitet und derzeit im Preis deutlich günstiger (obwohl die UVP gleich ist) kommt er klanglich nicht an den Stretch heran, es ist mindestens eine Klasse Unterschied. Wäre der Sound so gut wie im 9560er, hätte dieser Hörer hier aber ganz klar die Nase vorne. Wertigere Materialien und ein äußerst stylisches Aussehen am Kopf sind für mich die Pluspunkte.
Gruß, Rounder6