Ich bin nicht der typische Ohrhörer-Nutzer. Es geht mir nicht primär darum, ein ganzes Abteil im Bus zu beschallen und auch nicht nach einem Disko-Abend auch auf dem Heimweg richtig laute Musik zu hören. Ich möchte einen ausgewogenen und halbwegs natürlichen Klang. Die meisten Drehen die Musik erstmal laut, wenn sie Kopfhörer testen wollen, ich drehe Sie zuerst leise.
Ich hatte einen Nachfolger für meine in die Jahre gekommenen
Sennheiser MX 300 gesucht, die ich insbesondere im Fitness-Studio tragen wollte. Darauf hin habe ich mir zuerst die bei Amazon recht hoch bewerteten
Creative EP 630 Ohrhörer bestellt - und sofort wieder zurück geschickt. So etwas schlechtes hatte ich lange nicht in den Ohren. Die Creative haben zwar einen Mords-Bass, aber schwache Mitten und Höhen. Und wenn man den Bass per Equalizer abgewürgt hat, stellt man fest, dass alles von 150 Hz aufwärts vermatscht klingt (manghalfte räumliche Auflösung). Wer den Unterschied zwischen "Laut" und "guter Klang" kennt, wird mit vielen In-Ear-Kopfhörern nicht zufrieden sein und sollte nach Rezensionen von Leuten suchen, die den Unterschied ebenfalls kennen.
Ich war kurz davor, bei meinen Sennheiser MX 300 zu bleiben, weil der ach-so-tolle Creative schrott war. Deshalb möchte ich meinen Vor-Rezensenten danken; sie haben mich motiviert diese Kopfhörer zu kaufen. Die Marke Philips war mir bisher nie positiv aufgefallen, aber von diesen In-Ears bin ich richtig begeistert. Sie haben im Mittel- und Hochtonbereich einen relativ klaren und räumlichen Klang. Der Bass ist nur leicht betont, aber noch präzise. Zwischen den Creative und den Philips liegen Welten.
Natürlich sollte man sich keine Illusionen machen, dass diese Hörer auch offene Systemen der 100¤-Klasse wie den Beyerdynamic DT911 das Wasser reichen könnten, aber ich bin schon beeindruckt, was man mittlerweile aus so kleinen Ohrstöpseln herausholen kann. Aber immerhin fühle ich mich ständig verleitet, die Stöpsel mit den dreimal so teuren Beyerdynamic zu vergleichen, statt mit den halb so teuren MX 300.
Im ÖPNV sind die Stöpsel sehr zu empfehlen, da sie die Außengeräusche abschotten und gleichzeitig die Umwelt vor dem eigenen Musikgeschmack schützen. Die SHE 9700 dämpfen zwar nicht ganz so deutlich wie die Creative EP 630, im Straßenverkehr würde ich die Hörer dennoch nicht einsetzen. Als Radfahrer bin ich im Stadtverkehr viel zu sehr auf mein Gehör als "Rückspiegel-Ersatz" angewiesen. Da empfinde ich meine Sennheiser MX 300 mit leiser Musik schon als grenzwertig. Ich Jogge nicht, würde es aber nur abseits der Straße riskieren, derart abgeschottet zu laufen. Als Autofahrer dürften einem Signale von Polizei und Rettungsfahrzeugen spät oder gar nicht auffallen.
Für mich irrelevante Nachteile:
Eigene Atemgeräusche und ähnliches sind hörbar. Das liegt an der guten Abschottung der Aussengeräusche und in der folge leiser eingestellten Musik. Dann muss man die entweder lauter drehen oder sich daran gewöhnen - das geht auch.
Die Kabelgeräusche sind relativ gering und durch die Assymetrische Kabelführung liegt das Kabel wesentlich stabiler als bei normalen Y-Kabeln. Apropos assymetrische Kabel: das längere Kabel soll im Nacken liegen, und die Kabel laufen über der linken Brust zusammen, wo auch meist der Player in der Jackentasche steckt oder angeclipt ist.
Das Kabel ist meiner Meinung nach lang genug, es reicht bis zur Brusttasche oder den Ärmel, wo der Player oft logiert. Mit der beigelegten Verlängerung reicht es bis zum Gürtel oder in den Rucksack. Längere Anschlusskabel sind üblicherweise "Indoor-Kopfhörern" vorbehalten und wären mir unterwegs eher lästig.
Die gewöhnungbedürftige Einsetz-Übungsphase entfiel bei mir, weil ich sowieso schon Ohropax benutze und weiß wie man sich Ohrstöpsel einsetzt.
FAZIT
Die Philips SHE 9700 Ohrhörer von Philips haben ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und einen guten Klang für Unterwegs. Die Eigenarten der In-Ear-Kopfhörer: kräftiger Bass aber starke Dämpfung und Kabelgeräusche muss jeder für sich selbst bewerten.