Nach langem Suchen nach einem Kaffeevollautomat der mittleren Preisklasse, die mit recht entäuschenden Erlebnissen verbunden war (die Saeco Talea Ring und die Krups EA 8080 haben wir direkt wieder zurückgegeben, weil der Kaffee allenfalls mittelprächtig schmeckte) kamen wir auf Empfehlung des Fachverkäufers eines örtlichen Elektronikmarkts auf die Philips HD 5730. Zuvor hatten wir das Gerät nicht in unsere engere Wahl gezogen, weil es von "Stiftung Warentest" (12/08) nur als durchschnittlich eingestuft wurde. Hierzu ist allerdings zu sagen, dass das Gerät nicht wegen dem Geschmack der Kaffespezialitäten mit 3,0 bewertet wurde (hier zählte die Philips zu den besten Geräten im Testfeld) sondern wegen angeblichen Schwächen in der Funktionalität, dem (tatsächlich im Vergleich zu anderen Geräten zu hohen) Stromverbrauch und Spuren von Blei im Heisswasser. Da letzterer Befund gesundheitlich als unbedenklich eingestuft wurde (trotzdem aber in die Bewertung einfloss) und der Stromverbrauch eines Kaffeevollautomaten vernachlässigbar ist (bei dieser Maschine kommt man bei einem Preis von 0,20 ¤ / kwh und 1500 Brühvorgängen / Jahr auf ca. 16 ¤) mussten wir im Geschäft nur noch von der praxisrelevanten Produktqualität überzeugt werden. Als wir feststellten, wie lecker der Espresso ist, den das Gerät zubereitet und wie hervorragend der Milchschaum gelingt (hier überrascht uns im nachhinein übrigens das auch diesbezüglich verhaltene Resultat der Stiftung Warentest), haben wir bei einem Angebotspreis von 629 ¤ (!) zugeschlagen. Nach vierwöchigem Gebrauch unsere Eindrücke im Überblick:
+ Die Kaffeespezialitäten gelingen hervorragend: Espresso mit perfektem Aroma und herrlicher Crema, Latte Macchiato und Cappuccino mit reichlich festen Milchschaum, kein Vergleich zu Saeco oder Krups, auch die Jura eines Freundes liegt hier nicht ganz gleichauf (allerdings verwenden wir auch hochwertigere Kaffeebohnen)
+ Sehr guter Bediencomfort, hier ist natürlich vor allem die One-Touch Funktion für Latte Macchiato und Cappuccino zu nennen
+ Die vielfältigen und leicht zu variierenden Einstellungsmöglichkeiten (14 Mahlgrade, 5 Stärken, 3 Temperaturen, Wasser- u. Milchmenge) garantieren in Verbindung mit dem hochwertigen Delonghi-Innenleben (Brühgruppe, Mahlwerk), dass jeder Kaffeeliebhaber auf seine Kosten kommt
+ Die Optik zählt m.E. zu dem Gelungenstem, was auf dem Markt für Kaffeevollautomaten zu haben ist (sehr harmonisches Design ohne Ecken und Kanten, Edelstahl- / Alufinish)
+ Philips gewährt 3 Jahre Garantie (max. 6 000 Brühvorgänge) mit Austauschservice
- Warum "vergisst" Philips die Möglichkeit, den Tassenwärmer abzuschalten? Dadurch (und durch den fehlenden Netzschalter) verbraucht der Automat ca. doppelt so viel Strom wie vergleichbare Geräte (laut Stiftung Warentest)
- Warum spendiert man einem Gerät, dass bevorzugt für die Herstellung von Kaffeespezialitäten mit Milchschaum benutzt wird, keinen Tassenablauf, unter den man auch normale Latte-Macchiato Gläser stellen kann (11cm maximale Höhe sind zu wenig, Philips!)
Insgesamt aber - erst recht zu dem auch hier auf amazon für ein Gerät dieser Klasse sehr günstigen Preis - ein empfehlenswerter Kauf. Alternativen sind die deutlich teureren (und von Funktion u. Innenleben weitgehend baugleichen) DeLonghi Prima Donna.
Zwei Tipps zum Schluss:
(1) Die Espressobohnen von El-Puente (bekommt man in Läden der Kette "Contigo") schmecken noch einmal deutlich besser als illy & Co, unbedingt mal ausprobieren. Wir stellen übrigens unter Beibehaltung der Werkseinstellungen für die Wassermenge den Mahlgrad auf 1 (sehr fein) und die Bohnenmenge auf "normal" und bekommen so perfekte, sehr dichte Crema und ein sehr überzeugendes, nuancenreiches Aroma)
(2) Der Milchschaum wird perfekt, wenn man die "clean Funktion" (reiner Wasserdampf wärmt die Milchdüse vor) vor der ersten Tasse verwendet. Wir nutzen inzwischen H-Milch mit 1,5 % Fettanteil (dann gelingt eine sehr feinporige, dichte Schaumkrone von bis zu 4cm)