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"Der goldene Kompass" ist der erste Teil der "His Dark Materials"-Trilogie und gehört zu den aussergewöhnlichen Fantasy-Werken. Zudem geht es in eine ganz andere Richtung als "Der Herr der Ringe" ( weiß nicht, wie man darauf kommt, die beiden miteinander zu vergleichen, denn sie sind so unterschiedlich wie Feuer und Wasser! )
Zwar greife ich gewöhnlicherweise lieber auf "Epische/High Fantasy" zurück ( Musterbeispiel: Der Herr der Ringe ) ... doch manchmal lese ich gerne auch spezielle Bücher aus diesem Genre, wie z.B. "Harry Potter", "Das alte Königreich" oder eben "His Dark Materials".
Dies Buch ist kein Kinderbuch ... aber auch keines für Erwachsene ... es liegt irgendwo dazwischen und "springt" während des Lesens zwischen den beiden hin und her.
Die Story ist recht düster ( wie in den späteren Potter-Büchern ), skurril wie die Romane von Daniel Handler alias Lemony Snicket ( "Eine Reihe betrüblicher Ereignisse" ) und hat stellenweise sogar was von "Narnia" ( auch wenn beide Werke sozusagen Gegenpole sind - worauf ich später noch zurückkommen möchte ).
Die Geschichte spielt in einer Parallelwelt, die der unsrigen sehr ähnelt ( z.B. gibt es hier die selben Ortsbezeichnungen ). Die Zeit der Handlung könnte man irgendwo in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts einordnen ... aber das ist recht schwer zu sagen, denn jene Welt beinhaltet außer altmodischer und fremdartiger Technologie auch noch einige phantastische Elemente ( z.B. Dimensionstore, magische Wesen, versteckte Hexenclans und natürlich die tierischen Dæmonen ).
Diese Welt wird dominiert von Wissenschaft ... ist jedoch eigentlich eine christliche Theokratie, in der die Kirche jede Institution kontrolliert. Jene Wissenschaft beruht zum Einen auf unseren physikalisch-chemischen Gesetzen, ist zum anderen Teil aber auch fremdartig.
Ich vergebe diesem Band nur deshalb bloß 4 Sterne, weil er nicht ganz meinen Geschmack trifft ... für einen Fantasy-Roman gibt es mir hier persönlich zuviel merkwürdige Technologie und zu wenig "natürliche" Phantastik. Außerdem kommen mir einige Dinge etwas zu seltsam und albern daher ( z.B. der sprechende Eisbär, der in einer Metallwerkstatt Montagearbeiten verrichtet und sich nach Feierabend inner Kneipe betrinkt ). Aber das ist - wie gesagt - reine Geschmackssache!
Wenn man von meinen persönlichen Vorlieben mal absieht, so hätte dieses Buch storymässig 5 Sterne verdient. Die Geschichte ist nämlich total abwechslungsreich, meist so gut wie unvorhersehbar, sowie völlig innovativ ( d.h. kein Abklatsch irgendwelcher bekannter Fantasy-Erzählungen ) Das Originellste dürften wohl die Dæmonen sein ( metaphorisch betrachtet stellen sie die Verkörperung der Menschenseelen dar - in tierischer Gestalt! )
Allerdings geht es nicht selten auch makaber, eklig oder grausam zu ( z.B. gibt es einen extrem blutrünstigen Kampf zwischen Eisbären, das Verspeisen roher Innereien eines frisch erlegten Tieres oder das Experimentieren an Kindern durch ruchlose Wissenschaftler - mit tödlichem Ausgang! ) Das Buch würde ich daher lieber älteren Kindern und Jugendlichen empfehlen ( mindestens ab 10 Jahre aufwärts )
Wenn man die gelegentliche Brutalität und Grausamkeit außen vor lässt, ist dies Buch auch schon deshalb nichts für die jüngeren Leser, weil es kein klares Gut & Böse-Schema enthält und dadurch schlicht und einfach zu kompliziert für diese ist. Die Bösen sind nämlich nicht böse im herkömmlichen Sinn ... also einfach um des Böse-Seins willen. Zumeist handeln sie aus den besten Absichten heraus und nicht ( nur ) aus reiner Machtgier! Leider macht sie ihre "der Zweck heiligt die Mittel"-Einstellung eben zu furchtbaren Charakteren!
Ein weiterer Bedenkpunkt wäre noch, dass die Kirche hier in keinem guten Licht dasteht ( z.T. sind sie diejenigen, welche die "Bösen" - und damit auch ein repressives System - verkörpern ). Noch deutlicher hebt sich das in den folgenden Bänden ( besonders im dritten ) hervor. Genau deshalb steht die "His Dark Materials"-Trilogie im krassen Gegensatz zu den christlich geprägten Narnia-Chroniken.
PS:
Kleine Warnung! Das Ende von "Der goldene Kompass" ist relativ offen und zwingt einen regelrecht sich den zweiten Band zu beschaffen!