Es gibt schon einige Biografien über Queen Elizabeth II., doch dies ist die erste Doppelbiografie, die sich sowohl mit ihr, als auch mit ihrem Ehemann Philip auseinandersetzt. Völlig gleichberechtigt liegt in "Philip und Elizabeth" von Autor Gyles Brandreth der Fokus nicht nur auf der Königin, sondern auch auf dem Mann, der immer einen Schritt hinter seiner Gattin geht und auf den meisten offiziellen Fotos in der zweiten Reihe stehen muss.
Das "Porträt einer Ehe" beginnt weit in die Vergangenheit: Der Stammbaum des Königspaares geht auf Queen Victoria zurück, da beide Ur-Ur-Enkel der langjährigen Herrscherin sind. Gyles Brandreth fängt bei Queen Victoria an und beschreibt von dort aus die Familienverhältnisse des englischen Königshauses. Er nennt dabei auch alle Cousins und Cousinen, Onkel und Tanten der königlichen Familie und ermöglicht so einen Einblick in die größeren Zusammenhänge der europäischen Adelshäuser. In einzelnen Kapiteln über Philip und Elizabeth schildert der Autor ihre Kindheit. Philip, der abgeschieden von seiner Familie in verschiedenen Internaten aufwächst und dagegen Elizabeth, die "in einem goldenen Kokon lebte. Ihre Kinderwelt war (...) behaglich, christlich geprägt, behütet und absolut sicher."
Obwohl Gyles Brandreth durch seine Arbeit und seine Beziehungen im Laufe der Jahre ein enges Verhältnis zum englischen Königshaus aufgebaut zu haben scheint (worauf er auch unglaublich stolz ist), beruft er sich in dieser Biografie auch auf andere Quellen. So zum Beispiel den umstrittenen Bericht der Marion Crawford, die 1950 "Die kleinen Prinzessinnen" veröffentlichte. "Crawfie" war die Gouvernante Elizabeths und Margarets; ihr Roman entsetzte das Königshaus damals sehr und lies es Abstand von der ehemaligen Angestellten nehmen. Die Berichte und Einblicke in die Jugendzeit der Prinzessinnen sind jedoch für Gyles Brandreth eine nützliche Quelle, so dass er lange Absätze daraus zitiert. Er beruft sich aber auch auf Freunde, Verwandte und andere Angestellte des Königshauses. In Interviews hat er viele Aussagen zusammengetragen; sammelte aber auch Dokumente wie beispielsweise ein Foto der Heiratsurkunde oder Auszüge aus Briefen. Der Brief des Königs an seine Tochter nach deren Hochzeit soll nur als ein Beispiel dafür dienen.
Bisher noch unveröffentlichtes Fotomaterial aus der Kindheit, der frühen Jugend und auch aus dem privaten Familienleben Philips und Elizabeths ergänzen die Biografie. Dabei sind Bilder der Beiden als Kinder chronologisch nebeneinander gestellt und ermöglichen somit einen interessanten Vergleich, beispielsweise der 10-jährigen "Lilibeth", wie sie noch heute gerufen wird, und des 14-jährigen Philips.
Gyles Brandreth hat in "Philip und Elizabeth" persönliche und offizielle Gegebenheiten zusammen getragen; er berichtet über Urlaube, den Ärger mit der Presse und natürlich, am Ende seines Portraits auch über Charles und Diana, Andrew und Fergie. Dabei springt er des Öfteren in der Zeit und stellt zwischenzeitlich immer wieder den Bezug zur heutigen Situation her. In seinen ausgiebigen Fußnoten schweift er gerne ab und erzählt Anekdoten, die teilweise sehr amüsant sind.
Anhand der Biografie "Philip und Elizabeth" erkennt der Leser, wie sich die Welt seit dem Zweiten Weltkrieg verändert hat. Er darf außerdem in eine völlig andere Umgebung eintauchen, lernt grundlegende Prinzipen kennen, der sich ein Angehöriger der bürgerlichen Gesellschaft nicht unterwerfen muss und erfährt mehr über die Motive der englischen königlichen Familie, sich in manchem Situationen nicht ganz so redefreudig zu zeigen. Außerdem wird ein völlig neues Bild des englischen Königshauses und seiner Mitglieder hergestellt, wie zum Beispiel im Falle des Herzogs: "Vielleicht war er enttäuscht, dass seine Karriere bei der Marine so abrupt zu Ende ging. Vielleicht ärgerte er sich, dass er seinen Namen nicht an seine Kinder weitergeben konnte. Und war wütend darüber, wie herablassend er von manchen Höflingen behandelt wurde. Aber in den vergangenen fünfzig Jahren hat er es niemals - nicht ein einziges Mal - versäumt, das zu tun, was er als seine alleinige und wichtigste Pflicht ansieht: die Königin zu unterstützen."
Im Anhang der Biografie "Philip und Elizabeth", aus dem Englischen von Bernhard Jendricke, Gerlinde Schermer-Rauwolf, Rita Seuß und Robert Weiß übersetzt, findet sich eine ausführliche Liste mit allen Ämtern und Funktionen Philips, mit den Staatsbesuchen sowie den Stammbäumen der königlichen Familie.
"Philip und Elizabeth" ist kein Enthüllungsroman. Es erläutert die persönlichen Geschichten der beiden Adligen, geht auf einschneidende Erlebnisse ein und nimmt aber auch Bezug auf umstrittene Gerüchte, die in der britischen Presse immer wieder auftauchen. Gyles Brandreth hat durch viel Recherche ein liebevolles und umfassendes Buch über das wohl unnahbarste Ehepaar Europas zusammengestellt - das so vielleicht doch ein kleines bisschen näher rückt.