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Phettberg. Eine Hermes-Tragödie
 
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Phettberg. Eine Hermes-Tragödie [Sondereinband]

Franzobel
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Bigger than life

«Eine Hermes-Tragödie» von Franzobel

Als gefallener Engel hat er seinen Aufstieg genommen und fiel dann doppelt tief: Einst auf das Priesteramt aspirierend, dem Beamtentum entwachsen, stieg «Seine Leiblichkeit» als Hermes Phettberg in Künstlerrang und -namen. Von der Kanzel des konsequenten Kolumnisten vernahm die gläubige Wiener Szenegemeinde allwöchentlich Phettbergs Predigtdienst als praktische Philosophie profaner Feinsinnigkeiten. Geblieben sind der Predigtdienst und die kritische Leibesmasse des Drei-Zentner-Lebendgewichtes: Gewonnen und zerronnen ein transitorischer Triumph mit der 1995/96 vom ORF produzierten «Nette Leit Show», in welcher der brillante Rhetoriker Phettberg zusammen mit geladenen «netten Leuten» den Glamour televisionärer Talkshows auf real existierende Kläglichkeiten gesundschrumpfte. An die Stelle der rituellen Show-Eröffnungsfrage «Frucade oder Eierlikör?» ist inzwischen die Lamentation «Ich wurde ausgebeutet» getreten, und just in diesem Gestus hat sich Franzobel, Bachmann-Preis-Träger, umtriebiger Prosaist, Kolumnist und seit kurzem Burgtheater-Dramatiker, dieser Figur angenommen und ihren Bigger-than-life-Charme als Theaterstück literarisiert.

«Phettberg. Eine Hermes-Tragödie.» So schlicht steht drauf, was in des Sprachspielers Doku-Drama drin ist, und da ja nichts so wahr ist wie die authentische Fälschung, dürfen wir über knapp 100 Seiten den Als-ob-Monologen eines Als-ob-Hermes lauschen («am besten von einem offensichtlich ausgestopften Schauspieler zu spielen»). Die legendär verkommene Gumpendorfer Wohnung als Gegenbild zur Spitzwegschen Arme-Poeten-Idylle bildet die Kulisse für des Hermes assoziativ ausufernde Predigt über Gott und die Welt, body and soul , Gedeih und Verderb. Als meteorologische Analogie zum anschwellenden Schwanengesang des traurigen Clowns und letzten Philosophen (Nietzsche) quellen draussen die Regenfälle zur Sintflut – denn nicht nur «Gott sah, dass die Erde verderbt war» (Gen. 6, 12), sondern auch Hermes, die biblische Figur nach der Schrift: Als sit-down-comedian in seines Leibes Pracht entäussert sich Franzobels geklonter Phettberg in einem pastosen Redestrom etwa zu Schmutz und Waschzwang («Wir müssten eigentlich Österreiniger heissen»), zu Masochismus und «Unterlegenheitswut», zu Demut und Omnipotenz, zu Priestertum und Analerotik. Als sonderbarer Sonnenkönig von eigenen Gnaden sitzt dieser literarische Phettberg – von der Welt buchstäblich im Regen sitzengelassen – und philosophiert über Körper, Macht und Staat: «Ich bin ja selber Österreich: widerlich, grauslich und in allen Formen fliessend.»

Meister des süffigen «Sagers» und des sprachwitzigen Aperçus, mischt Franzobel perfid Zitat und Dichtung, Nadelstich und Kettensägenmassaker, Banalität und Bizarrerie. Surreale Gags wie der Auftritt des schreienden und von einer Horde radfahrender Chinesen verfolgten Tarzan mögen über manche Textlängen hinwegtrösten; wenn in einer wirren Folge von szenischen Sprengseln jedoch der «Privatschmäh» als künstlerische Hintergründigkeit auftritt, stellt sich auch im Hirn des Rezipienten jenes Blackout ein, mit welchem sich Hermes' literarisches Bühnenleben szenisch beschliesst.

Christiane Zintzen

Kurzbeschreibung

Franzobel hat das Phettbergleben, die Phettbergdokumente und Aufzeichnungen zu einem großen Monolog verarbeitet. Die Person Hermes ist ein Vorwand, Phettberg ist ein Vorwand, und doch ist er es, um den sich hier alles dreht.

Ein großer Monolog auf das Scheitern, auf die Ungültigkeit, den Tod. Ein antipodischer Herr Karl. Hermes Phettberg ist das Gegenteil des überall gängigen Gebrauchs- und Konsummenschen, eine Art Messias des 20.Jahrhunderts.

Hier wird die Scheinwerferheiligkeit der Medienwelt entiarvt. Ein ungemein melancholischer Spracherguß, wahnsinnig/heiter. Zitat: Wohin wir gehen im Land, überall ist alles gewaschen und geputzt, bis in den Exzeß gepflegt. Jeder Quadratmilimeter dieser Republik ist geputzt, bespuckt, poliert und gepflegtund unter perfektester Kontrolle. Wir müßten eigentlich Österreiniger heißen, so exact ist jeder Kubikmilimeter gestaltet. Wo bleibt da noch Platz zum Angreifen, zum, Sündigen? Zum Schund?

Über den Autor

Franzobel, 1967 in Vöcklabruck/Oberösterreich geboren, arbeitete bis 1991 als bildender Künstler mit gelegentlichen Ausstellungen. Dann schrieb er Romane, Satiren und Theaterstücke. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter 1995 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis und 1998 mit dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor. Er lebt in Wien.
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