Wolfgang Decker, Professor für Sportgeschichte, teilt sein Buch in zwei Hälften. In der ersten Hälfte zeigt er auf, welche sportlichen Betätigungen manche Pharaonen selbst ausübten. Dabei ist der Begriff "Sport" recht weit gefasst, denn ob man ein Brettspiel oder die Jagd nach Vögeln mit dem Wurfholz als Sport ansehen kann, sei dahingestellt. Andere Bewegungsformen, wie das Schlagen eines Balles mit einem Stock oder der Lauf des Pharaos zum Jubiläumsfest hatten eher kultische denn sportliche Bedeutung. Das Bogenschießen und das Fahren des Streitwagens erforderten dagegen sicher athletische Fertigkeiten. Allerdings wurden auch sie niemals aus sportlichen Motiven betrieben sondern waren der militärischen Ausbildung geschuldet, die der Pharao als oberster Feldherr einfach beherrschen musste. Der Autor sagt selbst sehr deutlich, dass ein Pharao niemals tatsächlich an einem sportlichen Wettkampf teilgenommen hätte, weil er als lebender Gott ohnehin unbesiegbar, und das Gegenteil völlig undenkbar war. Pharao und Sport? Die erste Hälfte des Buches legitimiert diesen Titel noch nicht.
Im zweiten Teil wird der Sport vorgestellt, der nicht vom, sondern für den Pharao veranstaltet wurde. Hier geht es dann tatsächlich um richtigen Sport, wie wir ihn auch heute verstehen. In Wettbewerben oder Zweikämpfen wurde zur Erbauung eines Pharaos z.B. gegeneinander gerudert, gerungen, gelaufen oder gefochten. Es wurden sogar Texte gefunden, die ein systematisches sportliches Training belegen.
Das Buch ist in der Reihe »Zaberns Bildbände zur Archäologie« erschienen und beeindruckt durch die vielen Abbildungen (94 Fotos und 17 Zeichnungen), unter denen die ganzseitigen Fotos besonders hervorstechen. Allerdings haben wir es hier nicht mit einem hübschen und leicht verständlichen Bilderbuch zu tun. Man merkt den Texten an, dass sie von einem Professor verfasst wurden, der gewohnt ist, vor einem wissenschaftlich interessierten Publikum zu sprechen. Die Texte stehen auf einem hohen sprachlichen Niveau und enthalten eine Reihe lateinischer Ausdrücke und Fachbegriffe, die nicht immer erläutert werden. Wer kein kleines Latinum oder zumindest eine sehr gute Allgemeinbildung besitzt, sollte ein Fremdwörterlexikon bereithalten, wenn er alles verstehen will.
Andererseits muss man ja auch nicht alles im Detail verstehen, sofern man nicht gerade ein Referat über das jeweilige Thema halten muss. Die generellen Aussagen der Texte sind auch für den wissenschaftlichen Laien verständlich und die vielen Bilder tragen natürlich auch zur Anschaulichkeit der Themen bei. Die einzelnen Kapitel sind in sich abgeschlossen und können daher in beliebiger Reihenfolge gelesen werden.
Einen Bewertungsstern muss ich abziehen, weil der Autor ein paar Fremdworte und Fachbegriffe zu viel verwendet, dafür ein paar Erklärungen zu wenig gibt (was bedeuten die hochgestellten Zahlen, was die eckigen bzw. die runden Klammern in Übersetzungen) und es dem normalen Leser dadurch unnötig schwer macht. Aber für die hohe Druckqualität, die teilweise tollen Fotos, die im Großformat des Buches besonders gut zur Geltung kommen, und die Tatsache, dass der textliche Inhalt selbst wissenschaftlich ambitionierte Leser befriedigen dürfte, sind die restlichen vier Sterne hochverdient.