...mit diesem aufgeschriebenen Satz beginnt Matthias Emckes Film -Phantomschmerz-, der in Teilen an die wahre Lebensgeschichte Stephen Sumners angelehnt ist, und er endet auch wieder auf diesem Blatt Papier. Dazwischen nehmen wir am Leben des Rennradfahrers und Arbeiters Marc(Til Schweiger) teil. Das ist so bewegend, wie spannend erzählt und ich werde versuchen, auch wenn es gegen den Trend der allgemeinen Filmkritik geht, ihnen diesen Streifen nahe zu bringen.
Marc ist ein Lebemann. Er ist ein absoluter Egoist, geschieden, immer gut für eine Affäre, kommt ständig zu spät, hat dabei aber einen unglaublichen Schlag bei Frauen. Es gibt eigentlich nur drei Konstanten in seinem Leben. Seine Tochter Sarah(Luna Schweiger), die er abgöttisch liebt, seinen Freund Alex(Stipe Erceg), der in allen Lebenslagen zu ihm hält, und das Rennrad fahren. So könnte Marcs Leben immer weiter gehen, zwischen wechselnden Partnern, Nachmittagen mit Sarah und verpassten Terminen. Aber dann tritt eine Veränderung ein. Marc lernt Nika(Jana Pallaske) kennen. Er verliebt sich in Nika und die interessiert sich nicht nur für Marc, sondern auch für seine früheren Schreibversuche über einen Rennradurlaub auf Sri Lanka. Nika macht ein Treffen mit einem Agenten klar und Marc verpatzt es. Kurze Zeit später hat Marc einen schweren Unfall. Lebensgefährlich verletzt wird sein Leben in Tausend Stücke zerschlagen. Als Marc wieder erwacht, hat sich sein weiteres Leben brutal und komplett geändert. Marc scheint es nicht zu packen weiterzumachen, aber dann stellt er sich der neuen Aufgabe...
-Phantomschmerz- ist in den Kritiken nicht besonders gut weggekommen. Ich weiß nicht warum. So wie -Barfuss- ist -Phantomschmerz- einer dieser genialen Til Schweiger Filme. Ich habe es schon mal gesagt, Schweiger scheint die großen Produktionen zu nutzen, um Geld zu verdienen. Dieses Geld setzt er dann ein, um kleine, feine Indipendent-Filme an den Start zu bringen. Bei -Phantomschmerz- ist ihm das wieder einmal vortrefflich gelungen.
Der Film öffnet dem Zuschauer die Augen für einen Blick auf die Gestrandeten und Verlorenen. Mit präzisen, klaren und realen Bildern, eingefangen von einer grandios geführten Kamera, kommen wir Marc dabei äußerst nah. Es gibt ergreifende Szenen zwischen Marc und Sarah, die den Zuschauer tief bewegen. Wunderbar begleitet wird der Plot von der Erzählstimme Marcs, die uns mitnimmt in seine Kindheit und das ganz spezielle Verhältnis zu seinem Vater. Das passt, wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Unterlegt werden die Bilder von einem Soundtrack, der Lieder von Nick Drake, Rachel Yamagata, Tom McRae und den Queens of the Stoneage zusammenbringt.
-Phantomschmerz- war für mich ein eindringliches Drama mit Anspruch und Gefühl. Die Charaktere sind durch Luna und Til Schweiger, Jana Pallaske und Stipe Erceg hervorragend besetzt.
Wer Til Schweiger nur in Filmen wie den -Kleinohrhasen- mag, braucht -Phantomschmerz- nicht unbedingt in Player zu schieben. Aber schaden kann es auch nicht, denn vieleicht können sie sich ja auch mit diesem Til Schweiger anfreunden, der einem schwierigen Charakter so viel Leben einhaucht. Alles in allem kann ich ihnen Matthias Emckes Film nur bedingungslos empfehlen. Ob er sie so mitnimmt wie mich, kann ich ihnen nicht versprechen, aber: Versuchen sie es einfach!