Die meisten Boxer haben ja irgendwo etwas Tragisches, weil kaum einer von denen am Höhepunkt der jeweiligen Karriere abgetreten ist. Nein, es musste noch ein Kampf sein und noch einer, bis sie schließlich doch mit einer Niederlage abgetreten sind. Sicherlich hat dazu auch die gute Börse beigetragen, die sie trotz Niederlage noch kassiert hatten.
Am tragischsten war wohl das Ende des größten Boxers aller Zeiten: Muhammad Ali alias Cassius Clay, der zwar auch im Boxring seinen letzten Kampf verlor, dabei aber schon vom Kampf gegen seinen schwersten Gegner, der Parkinsonschen Krankheit gezeichnet war. Nichtsdestotrotz gilt Clay als bester Einzelsportler aller Zeiten. Eine solche Ehre wurde Sonny Liston, dessen Ende mindestens ebenso tragisch war, nie zuteil.
Sonny Liston war - man muss es so hart sagen - ein Krimineller, der im Gefängnis das Boxen gelernt hatte und später durch die Kämpfe gegen Floyd Patterson zum Weltmeister aufstieg. Er war wortkarg, seine Art zu Boxen war nicht gerade graziös, er war pure Kraft. Wegen seiner verschlossenen Art, seiner kriminellen Vergangenheit und seinen Verbindungen zur Mafia war er unbeliebt, er war der "hässliche, böse Neger", während Patterson, weil angepasst, der "gute Neger" war.
Seinen Titel verlor Liston durch eben Cassius Clay, der Liston ins Leere laufen ließ, seinen Schlägen auswich und schließlich musste Liston nach der sechsten Runde aufgeben - angeblich wegen einer Verletzung. Der Rückkampf gab diesem Film hier den Titel "Phantom Punch". Damit ist nicht etwa ein Schlag von Sonny Liston gemeint, wie man vermuten könnte, sondern der Schlag Clays, den weder Liston noch große Teile des Publikums gesehen hatten und den Kampf nach 105 Sekunden beendete. Es wurde spekuliert, der Kampf wäre verschoben gewesen und Liston wäre kaum getroffen worden, doch Filmaufnahmen bewiesen, dass Liston tatsächlich schwer getroffen wurde. Liston starb ein halbes Jahr nach seinem letzten Kampf (den er gewann) 1970 unter nie geklärten Umständen an einer Überdosis Heroin.
Boxerfilme haben in Hollywood eine lange Tradition und namhafte Größen wie Paul Newman (Die Hölle ist in mir), Robert de Niro (Raging Bull), Will Smith (Ali), Denzel Washington (Hurricane) und Russell Crowe (Das Comeback) haben namhafte Boxer gespielt ("Rocky" lass ich mal aus, weil der fast nur Fiktion ist) und so ist es kein Wunder, dass Sonny Listons Karriere hier nun auch verfilmt wurde. Dass "Phantom Punch" an keinen dieser Filme herankommt, hat zwei Gründe:
Erstens war einiges an Listons Karriere undurchsichtig und so beruht vieles bei "Phantom Punch" eher auf Spekulation denn auf Tatsachen (bis auf die reinen Boxfakten natürlich). Listons Leben wird hier episodenhaft wiedergegeben, es fehlt fast jegliche Tiefe.
Der zweite Grund ist Ving Rhames, der Liston spielt und den ich sehr gern sehe, aber schauspielerischen Schwergewichten wie Newman, de Niro, Crowe usw. kann er nun mal nicht das Wasser reichen, auch wenn er die Figur des Sonny Liston sympathischer anlegt als dieser tatsächlich war.
Das heißt aber nicht, dass "Phantom Punch" ein schlechter Film ist. Man wird gut unterhalten, ohne dass einem langweilig ist, aber im Vergleich zu o. g. Filmen sind mehr als 3 Sterne eben nicht drin.
Die Verleihversion bietet außer einem kümmerlichen Trailer kein Bonusmaterial.