Kurzbeschreibung
Klappentext
Mit den faszinierenden Illustrationen Alfred Kubins, die in einmaliger Weise das Makabre, aber auch das Groteske der Erzählungen ins Bild setzen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Autorenporträt
Auszug
Pestis eram vivus-moriens tua mors ero.
Martin Luther
Grauen und Unheil sind mit nimmermüden Schritten durch alle Jahrhunderte gegangen. Wozu also den Zeitpunkt der Geschichte näher bezeichnen, die ich erzählen will? Es mag genügen, wenn ich sage, daß zu der Zeit, von der ich spreche, die Lehre der Seelenwanderung im Innern Ungarns viele geheime Anhänger hatte. Von der Lehre selbst - das heißt, ihrer Unrichtigkeit oder ihrer Wahrscheinlichkeit - sage ich nichts. Doch ich behaupte, es rühre viel von unserer Ungläubigkeit her, wie's Bruyère auch von all unserem Elend sagt: »vient de ne pouvoir être seuls.«
Die Familien Berlifitzing und Metzengerstein lagen seit Jahrhunderten in Zwietracht miteinander. Niemals sah man zwei so erlauchte Häuser in tödlicherer Feindschaft. Der Ursprung dieses gegenseitigem Hasses schien in einer jahrhundertealten Prophezeiung zu liegen. »Ein großer Name wird auf das schrecklichste untergehen, wenn die Sterblichkeit der Metzengerstein, wie der Reiter auf seinem Roß, über die Unsterblichkeit von Berlifitzing triumphiert.«
Dieser Ausspruch hatte gewiß wenig oder gar keinen Sinn; doch haben schon oft unbedeutendere Ursachen große Wirkungen hervorgerufen. Im übrigen hatten die beiden benachbarten Häuser lange Zeit um den größeren Einfluß auf die schwachen Herrscher des Landes gekämpft. Zudem sind Nachbarn, die so nah beieinander wohnen, nur sehr selten Freunde. Von der Höhe ihres hohen Söllers konnten die Bewohner des Schlosses Berlifitzing in die Fenster der Burg Metzengerstein sehen. Auch war die Entfaltung einer mehr als lehnsherrlichen Pracht von seiten der Metzengerstein wenig dazu angetan, die leicht erregten Gefühle der Berlifitzing, die weniger Ahnen und weniger Reichtum aufweisen konnten, zu beruhigen. Ist es also verwunderlich, daß diese an sich widersinnige Weissagung die Feindschaft zwischen den beiden Häusern, die immer wieder durch ererbte Zwietracht und Eifersucht angetrieben wurde, stets neue Nahrung erhielt? Die Prophezeiung schien anzudeuten - wenn sie überhaupt irgendeinen Sinn hatte -, daß das jetzt schon mächtigere Haus einen endgültigen Triumph davontragen werde, und lebte deshalb mit tiefstem Groll im Bewußtsein der schwächeren Familie.
Wilhelm, Graf von Berlifitzing, der einstmals so Tapfere, war zur Zeit dieser Erzählung nur noch ein alter, unfähiger Mann. .... . -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.