Es ist sehr lobenswert, dass sich der Autor dem Thema Strahlungsheizung aus der physikalischen Perspektive nähert. Das ist sehr wichtig, da in Deutschland heute noch in der Mehrzahl die konvektiven Heizungssysteme eingebaut werden, deren Nachteile in diesem Buch sehr gut geschildert werden. Leider lässt sich der Autor vor lauter Begeisterung für die Strahlungswärme zu einigen unzulässigen Vereinfachungen hinreissen, teilweise auch physikalischen Unrichtigkeiten, welche für den Laien nicht zu durchschauen sind. Für den nüchtern denkenden Leser sind die zahlreichen polemischen Seitenhiebe etwas ermüdend. Wer so austeilt, sollte wenig eigene Angriffsfläche bieten. Es ist für die Dimensionierung einer Heizung, auch einer Strahlungsheizung nicht nur wichtig, welches Strahlungsfeld ich damit erzeugen kann, sondern auch mit welchen Verlusten ich rechnen muss. Dass Fensterglas keine infraroten Strahlen passieren lässt, entbindet mich nicht von der Pflicht, mir über den Wärmeverlust durch Wärmeleitung des Fensterglases Gedanken zu machen. Das Gleiche gilt für die Hauswand. Eine Heizung muss, nach dem das System eingeschwungen ist, die Verluste kompensieren. Die sind bei einer Strahlungsheizung natürlich geringer, weil die Lufttemperatur geringer ist (vgl. freier Oberkörper in den Alpen bei Schnee). Aber auch eine Strahlungsheizung erzeugt letztlich indirekt eine Lufttemperatur, die grösser als die Aussentemperatur ist und das verursacht bei endlicher Wärmeleitfähgigkeit Verluste durch Wärmeleitung. Und wenn das Glas keine Wärmestrahlung passieren lässt, bleibt nur noch Absoprtion und Refelexion. Das kann man nicht einfach weglassen.
Die Strahlungsheizung ist eindeutig die physiologisch beste und energetisch (unter sonst gleichen Bedingungen) günstigste, insbesondere, wenn man über genügend Speichermasse (Massivbau) verfügt und von aussen der Sonne gestattet, nachzuhelfen ohne bedenkenlos auf Teufel komm raus zu Dämmen.
Es ist schade, dass so ein wichtiges Buch durch die doch nicht unerheblichen fachlichen Probleme leidet. Im Grunde braucht es ein Buch, dass folgende Dinge klar macht:
Der Mensch ist evolutionär auf Wärmestrahlung geeicht und empfindet dies als angemehmer als jede andere Wärmequelle
Die technischen Möglichkeiten zur Erzeugung dieser müssen physikalisch begründet und dann anhand von Beispielen geschildert werden.
Die Dimensionierung einer solchen Heizung ist nicht trivial und nicht mit einer 08/15-Software, die vielleicht den Planern und Heizungsbauern zur Verfügung steht, gemacht. Sie lohnt sich aber für jeden, der diese Heizungsart zu schätzen weiss.
Das Buch ist für jeden geeignet, der über das notwendige mathematische und physikalische Rüstzeug verfügt, die Darstellungen kritisch zu lesen.
Etwas weniger Polemik hätte dem Buch gut getan. Wirkliche Experten, denen die erfahrene Praxis täglich recht gibt, benötigen keine Herablassungen, seien sie noch so eloquent formuliert.