Immer wieder gibt es neue spannende Forschungsliteratur, die äußerst praktische Alltagshinweise enthält und diese mit anschaulichen Fotos ergänzt. Dieses Buch, Phänomen Honigbiene rechne ich dazu. Wer weiß zum Beispiel schon, dass reife Bananen Isopentyl-Acetat enthalten, eine chemische Verbindung, die gleichzeitig das Alarmpheromon, den Duftstoff einer Bienenkolonie darstellt. Wer also in der Nähe eines Bienenstocks reife Bananen verzehrt (und das ist kein Scherz!), muss damit rechnen, dass sich Bienen plötzlich auf ihn stürzen, um ihren Stock zu verteidigen ? also liebe Bananenesser - aufgepasst!!!
Mein Respekt vor unseren kleinen ?Arbeitskolleginnen? ist jedenfalls gewaltig gestiegen, seit ich gelesen habe, was sie alles für Berufe ausüben. Da gibt es nicht nur Ammen-, Wächter- und Sammelbienen, sondern auch Heizerbienen, die ihre Flugmuskulatur im Leerlauf (wie die Nachtfalter) aufheizen und so einzelne ausgesuchte Brutwaben anwärmen. Aus den warmen Zellen schlüpfen besonders empfindsame Bienen, die auf die kleinsten Veränderungen im Stock sofort reagieren und wissen, was zu tun ist. Wenn die Heizerinnen erschöpft sind, erhalten sie dann von Tankstellenbienen eine Ladung Honig, um ihre Energiereserven wieder aufzufüllen.
Wenn die Luft im Stock zuviel Kohlendioxid enthält, bilden sich Ketten von Ventilatorbienen, um die Luft auszutauschen, und wenn es zu heiß ist, gibt es die Wasserholerinnen, die einen dünnen Wasserfilm auf den Waben verteilen, der dann von den Fächlerinnen zur Kühlung benutzt wird.
Grundsätzlich kann jede Biene alles, habe ich durch die Lektüre gelernt, aber manche Bienen reagieren schnell, andere eher etwas schlafmützig. Wie wir Menschen halt auch...
Dass unser Gemeinwesen in mancher Hinsicht nicht so gut funktioniert wie ein Bienenstaat, liegt sicher auch daran, dass uns die Bienen ein paar Millionen Jahre ?Teamtraining? voraus haben...
Im Ernst: ich möchte allen an ihrer Umwelt interessierten Leuten dieses Buch empfehlen. Es zeigt nämlich, wie wenig Grund wir haben, uns gegenüber unseren Mitgeschöpfen überheblich zu verhalten. Und da haben wir Menschen noch viel aufzuholen. Beruhigt hat mich allerdings die eine Tatsache, dass Bestechung auch bei den Bienen vorkommt, ein gerade besonders aktuelles Thema! Eine stockfremde Biene wird nämlich eingelassen, wenn sie der Wächterin einen Nektartropfen überreicht. Der kann allerdings eine bestimmte Größe nicht übersteigen.